Siebenundzwanzigster Januar

von Robert Baier
Mitglied

Die letzten Opfer sterben,
ohne Gerechtigkeit.
Die letzten Täter verschwinden,
ohne Buße.
Die letzten Zeugen verstummen,
ohne alles gesagt zu haben.
Was zurück bleibt,
sind wir.

Wir stehen an einem Wendepunkt,
und es scheint,
als würde sich niemand mehr erinnern wollen.
Doch einen Schlussstrich,
den darf es nicht geben.

Schon spricht man vom Schuldkult
und der eigenen Opferrolle.
Ein Wolf im Schafspelz ist aber noch lange kein Unschuldslamm
und erst recht kein Held.

Vielleicht nicht Schuld,
aber Verantwortung.
Die Verantwortung vergeht niemals,
sie ist Teil unserer Identität.
Doch wenn wir vergessen,
machen wir uns schuldig.

Entstanden im Januar 2018.

Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Kommentare

03. Feb 2018

Danke für Form und Inhalt,
bin ganz und gar Deiner Meinung, Robert.

LG Marie

04. Feb 2018

... wir tun uns jetzt schon schwer, die Erinnerung lebhaft zu halten. Wie schwer wird es, wenn die letzten Zeitzeugen nicht mehr sind? Es liegt an jedem von uns das traurige und beschämende Thema immer wieder ins Bewusstsein zu rufen und darüber zu reden ...

Viele Grüße
Soléa