Die Elbin

von Robert K. Staege
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Eine Frau liess einst mich erbeben,
ich wünschte mir, sie würde mein,
denn mit ihr nur wollte ich leben,
und sie wollt‘ ich lieben allein.

Ich habe mit brennendem Herzen
ihr ein singend‘ Vöglein gebracht,
doch sie empfand dessen Schmerzen,
und liess es frei in der Nacht.

Sie widerstand all meinem Werben,
sprach schließlich dies traurige Wort:
„Hier riecht überall es nach Sterben;
wie atmest Du an diesem Ort? -

In diesem Reich kann ich nicht bleiben,
hier ist soviel Leid, Schmerz und Nacht.
Und bei uns würd‘ man Dich vertreiben,
weil den Tod Du mit hast gebracht.“

Am Morgen auf schlängelnden Pfaden
schritt dann sie zum Tale hinaus,
zart glänzten da an ihren Waden
wie Perlen die Tropfen des Taus.

Ich sah lang ihr nach ohne Worte.
Wie sollte ich ohne sie sein?
Das Morgenlicht wurd‘ mir zur Pforte
aus Glut - in die Hölle hinein.

Geschrieben am 3. April 2018

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