Totgeträumt

von Annelie Kelch
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Die Wellen schlagen oft ans Ufer der Vergessenheit.
Ich sitz' in einem Kahn und treibe orientierungslos dahin.
Wünsch mir ein unentdecktes Land, darüber still die Wolken ziehn.
Der Tod steigt ein und sagt mir leis: Es ist soweit.

Er nimmt das Ruder in die wache Hand und steuert jene Insel an,
darauf die Seelen in den grünen Bäumen ausruhn für ein neues Leben.
Dort soll ich dich, mein Lieb' erwarten, ohne Herzensbeben.
Vertrau' dem Liebsten, flüstert mir ins Ohr der Schwarze Mann.

Nun geh' ich, Pilgerin, ganz still die hellen Straßen weiter.
Mir wird zumut', als liefe ich den langen Lebenspfad zurück.
Am Wegrand: Bäume wispern, Menschen, die ich kannte, heiter
tritt einer nach dem anderen aus der Menge und geht mit ein Stück.

Ich will zu dir und muss noch weiter wandern …
Ein Sternlein fällt herab und singt: Du kennst IHN nicht!
Der dich sehr liebt, ist längst schon bei den andern,
wohin der Tod dich auf den rechten Weg gebracht.

heute, am 04.08.2017, geschrieben

Quelle: pixabay
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Kommentare

04. Aug 2017

Dank, Axel, dir, für deinen Kommentar,
den Tod ich gottlob nur im Traume sah.

LG Annelie

04. Aug 2017

Ganz besonders eindrucksvoll, inklusive Bild. WANN aber fällt dir das alles ein?

Liebe Grüße - Marie

04. Aug 2017

Morgens - so zwischen vier und sechs Uhr, liebe Marie. Neben meinem Bett liegen jede Nacht ein dicker Block und ein Bleistift. Kulis schreiben im Bett nicht so nett. - Oft verarbeite ich, was ich am Abend zuvor an Lesestoff in mich hineingefressen habe oder auch Träume, sofern ich sie noch im Gedächtnis behalten habe. Selten, fast nie, schlafe ich danach wieder ein, obwohl es besser wäre. Dann könnte ich nämlich gut auf mein Mittagsschläfchen verzichten. - Tausend Dank für deinen lobenden Kommentar.

Liebe Grüße und einen wunderschönen Abend,
Annelie