und dennoch ein Wunder

von marie mehrfeld
Mitglied

da kämpft man und müht sich und klettert, genießt und bangt Hände haltend
und meint, ein Ziel vor Augen zu haben und zu ahnen, was sich lieben heißt,

redet über Nichtigkeiten und weiß doch, dass das hoch explosive Innenleben
der rastlosen Seele Dynamit enthält und mit gewissen zündenden Gedanken

nicht in Berührung kommen sollte, und hofft unverdrossen weiter darauf, klug
zu werden, von wegen, denk’s nicht, setz auch nicht auf deine Erinnerung mit

ihren vergoldeten Dornen, Vergangenes ist unwiederbringlich, und du, auch du
stürzt immer wieder vom mühsam erklommenen Gipfel entzückten Erkennens

in die Fallgruben des Nichtfindens, in die Höllenqualen deiner alten Urängste
vorm Tod, in die einsamen verzweifelten Verstrickungen, rufst Mama und weißt

doch, auch sie war nur die Illusion vorübergehender Geborgenheit, denn die Zeit
steht nicht still, gegenüber tragen sie den Sarg heraus und links neben mir hör

ich das hungrige Nachtgebrüll eines Neugeborenen mit so winzigen Fingern, das
Leben ein Seiltanz über dem Abgrund und dennoch ein Wunder, ich balanciere

weiter auf dem schwankenden Grat, stets vom Absturz bedroht ins leere Nichts,
lächelnd dankend und so furchtlos wie möglich, so lange uns ein Morgen graut

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Kommentare

04. Nov 2019

So tanzt man auf dem schmalen Seil -
Wird selbst zum kleinen Wunder-Teil ...

LG Axel

04. Nov 2019

Indem man die Balance stets hält -
spaziert man sicher durch die Welt ...

LG mit Dank zurück - Marie

04. Nov 2019

Ein Drahtseilakt ist das Leben:
Mit Bedacht muss man sich bewegen …

Herzliche Grüße von mir, liebe Marie
Soléa

05. Nov 2019

„Mit Bedacht“, wie Recht Du hast, liebe Soléa –
herzliche Grüße mit Dank zurück -

Marie

04. Nov 2019

... und dennoch immer und immer wieder aufs Neue in dieses Leben sich " krallen" oder besser, es lieben, komme was da wolle.
Starke Verse, eindringlich auch im Sprachklang, liebe Marie, findet mit HG , Ingeborg

05. Nov 2019

VIEL besser ist es, das Leben zu lieben, komme, was da wolle, das meine ich im Prinzip auch, liebe Ingeborg. Danke für Deine anerkennenden Worte.

HG Marie

04. Nov 2019

Für mich sind deine Gedanken großes Kino ! Immer wieder !!!
HG Olaf

05. Nov 2019

Ich beschreibe, was ich grade fühle. Kopfkino? Warum nicht?

Danke dafür und HG - Marie

05. Nov 2019

Das Leben schilderst du wie ein Trauma. Man bilanziert praktisch seiner endgültigen Bestimmung zu. Da schwingt auch die Angst mit vor dem Gleichgewichtsverlust. Der Mensch diskutiert sich runter bis ins feinste Wurzelgeflecht eines Baumes und vergisst dabei,
dass er uns eigentlich mit seinen Früchten erfreuen will.
Wie schrieb Hesse: Wohl an denn, Herz, gesunde!

LG Jürgen

05. Nov 2019

Lieber Jürgen, vielleicht befinde ich mich grade in einer Phase, die Angst vor dem Gleichgewichtverlust enthält? Geht das nicht jedem Menschen ab und zu so? Es wird ununterbrochen geboren und auch gestorben, Anfang und Ende, traumatische und glückliche Erlebnisse, diese Polarität macht das Leben aus. Zuletzt heißt es, „lächelnd und dankend“, genau das fühle ich auch. Ja, wohlan denn, Herz, (nimm Abschied und) gesunde!

LG Marie