Voller Sehnsucht - Nächte im Frühling

von Annelie Kelch
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So voller Sehnsucht waren die Nächte im Frühling …
Bei Flut strömte das Wasser über die bunten Wiesen
und hatte nur einen Wunsch: dort bleiben zu dürfen.

Der Tag kam ohne Sonne und wollte meine Nacht sein;
er füllte sich mit Schatten und meiner Seele Schatten
trugen ihm ewige Freundschaft an.
Tage und Nächte flossen ineinander: ein totes Aquarell.

So lebte ich damals unter dem Einfluss des Mondes
und putzte die silbernen Münzen blank.
Gott herrschte wie ein heimatloser blinder Stein -
die Zeit vergaß fortzuschreiten und verharrte
auf der Landstraße hinter den sieben Hügeln.
Dort spürte ich sie eines Nachts auf:
ein verletzter Vogel, der nicht mehr fliegen konnte.

Die Welt wurde mir von Tag zu Tag fremder:
Ich war der entgleiste Zug auf der Schiene des Lebens,
die Sturmflut unter tausend friedlichen Tiden,
das sinkende Schiff und die stürzende Möwe,
ein erloschenes Feuer …

So voller Sehnsucht sind die Nächte im Frühling …
Du kamst irgendwann zur Geisterstunde -
Als ich mein Haar wusch im Mondschein,
trenntest du den Tag von der Nacht
und maltest ihn bunt wie ein Mandala;
die silbernen Münzen zerfielen zu Staub.

An deiner Hand schritt ich seufzend über die Brücke
aus Sonnenlicht und lernte ein neues Wort: Liebe.
Danach war ich bereit zu stillen die Sehnsüchte
aller Frühlingsnächte - mit dir.

06.06.2017 geschrieben

Foto und Fotobearbeitung: Annelie Kelch
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Kommentare

06. Jun 2017

Nicht nur der Mohn klatscht Beifall hier!
(Selbst Krause klirrte mit dem Bier ...)

LG Axel

06. Jun 2017

Dank, lieber Axel, dir, für deinen Kommentar,
das Berthaken auch - Gott sei Dank - nicht mein Begleiter war;
denn anderenfalls wären wir beide eingebrochen samt der Brücke,
und Bertha kehrte dann im zweiten Leben zwar zu dir zurücke -
jedoch mit Heimtücke - als bitterböse Stechmücke.

LG Annelie

06. Jun 2017

Lese ich das jetzt augenzwinkernd
oder mit bleibendem Schaden.
Es klingelt nicht so recht bei mir.
" So voller Sehnsucht " werde ich nochmal
nachdenken. Da stellt man sich selber
auf den Prüfstand.
Und trotz alledem gefällt mir
das Stück und ich habe es
gerne und gut gelesen.
Gruß, Volker

06. Jun 2017

Hallo Volker, alles ist voller Sehnsucht auf dieser Erde: Menschen, Tiere, Pflanzen; ich spüre es immer wieder. Bei mir klingelt es ständig - wenn ich die Natur und fremde Menschen sehe. Man muss sich dafür sensibilisieren. Ich sehe die Sehnsucht in den Augen der alten Männer und Frauen, in den Blüten, die sich zum Licht neigen, in den Bäumen, deren Kronen sich zum Himmel strecken - und in den Augen der Kinder - und sei es auch nur, dass sie Sehnsucht nach einem leckeren Eis haben. Und weshalb du nach dem Lesen eines Gedichtes einen bleibenden Schaden zurückbehalten solltest, will mir absolut nicht in den Sinn. Dann lass doch bitte das Kommentieren - wenigstens bei meinen Gedichten, von denen einige in wenigen Monaten als Buch erscheinen werden.- Und das wird bei weitem nicht das letzte sein. Gedichte zu interpretieren, gelingt eben nicht jedem. Vielleicht darf ich dir bei dieser Gelegenheit auch noch einmal nahelegen, ein Buch über Haiku zu lesen, weil deine nicht den Normen entsprechen und eigentlich gar keine sind, aber ich war mit dem "Liken" immer recht großzügig. Oder nimm dir ein Beispiel an Axels Kommentaren, die nie großspurig, immer freundlich und treffend und oft sehr witzig sind, wohingegen deine vor Überheblich- und Gönnerhaftigkeit oft triefen.

Freundliche Grüße,
Annelie