Dezemberfichten

von Ella Sander
Mitglied

In meine Fenster
ragen dunkle Fichten,
nebelgewickelt;
beschwören gegenseitig
ihre Schatten
und wiegen das Gebet
des Windes in den Zweigen.

Ich weiß nicht, ob ich
graues Grün erblicke
oder doch grünes Grau?

Das taktlose Pulsieren
weckt eingeschnürte Hunger,
die auch das warme Knistern
des Kaminfeuers
nicht stillen kann.

Stillschweigend' Fieber,
das bis ins Herz meines
gesteinten Hauses gischtet,
zittert nach Muttermilch.

Heimlich,
wenn keiner hinschaut,
lecke ich, etwas beschämt,
an einem Stückchen Schockolade,
hoffnungsgebunden,
dass ich erneut, wie jedes Jahr,
das Winterirrlicht überschatte.

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

06. Dez 2018

Sehr gutes Gedicht, liebe Ella. Der erste Vers ist übrigens hervorragend. Schokolade und Muttermilch haben wohl die gleiche beruhigende Wirkung auf die Psyche, Ellalein, Du kleines süßes Schleckermäulchen!

Liebe Grüße,
Annelie

06. Dez 2018

Ja genau, liebe Annelie!
Wie soll man sonst das Winterirrlicht überstehen?
Wahrscheinlich wurde die Schokolade gerade aus diesem Grund erfunden ;)
Vielen herzlichen Dank für die lobenden Worte, liebe Annelie. Ich gebe zu, sie schmecken besser als jede Schokolade und man läuft nicht Gefahr, sich neue Kleider zulegen zu müssen ;)

Auf ein maßvolles Genießen
und ganz liebe Grüße,
Ella

06. Dez 2018

Lass dir die Schokolade
Auf der Zunge zergehen,
Geschmiegt unter die Decke
Beim Blick in die verwickelt
Sich zweigenden Äste
Und wenn du genau hinschaust,
Siehst du es blitzen, ein Licht,
Das ist die Hoffnung
Die vergeht nicht
Wie das süße Schmelzen auf der Zunge...

Ein wunderbares Gedicht!
LG Yvonne

06. Dez 2018

Blickst Du gerade durch mein Fenster?
Es muss so sein, denn was Du schreibst
ist nicht gedichtet, sondern entspricht,
in diesem Augenblick, vollends der Wahrheit.

Vielen Dank für die wunderbaren Verse, liebe Yvonne.
Freue mich sehr darüber:)

Liebe Grüße,
Ella

06. Dez 2018

Man spürt die Fichten - schmeckt die Schokolade -
Dieses Gedicht wird niemals fade ...

LG Axel

06. Dez 2018

Und nach dem Winter Spiegel sichten
Wahrscheinlich heißt's dann Kilos fichten ;)

Hab Dank für Deine schönen Worte,
die ich in meinem Herzen horte :)

Liebe Grüße,
Ella

06. Dez 2018

Mit einem so ausdrucksstarken Gedicht wie diesem wirst Du die Winterirrlichter in Dir mit Leichtigkeit überschatten, liebe Ella ...

liebe Grüße - Marie.

06. Dez 2018

Die Schokolade ist ein süßer Tröster,
Da halte ich glatt durch bis Ostern ;)

Vielen herzlichen Dank für die aufbauenden, warmen Worte, liebe Marie. Freue mich sehr darüber :)

Liebe Grüße,
Ella

08. Dez 2018

Liebe Ella, wer solche tiefe Worte schreibt, der hat der Depression schon den Kampf angesagt …

Liebe Grüße
Soléa

08. Dez 2018

Das mangelnde Licht macht so manchem zu schaffen, liebe Soléa. Aber meine Schokoladenvorräte sind gut gefüllt, daher kann mir nichts passieren ;)
Vielen Dank für den schönen Kommentar, liebe Soléa.
Freue mich sehr darüber :)

08. Dez 2018

Hach, du liebe Ella, solch ein Gedicht! Deine Poesie entwickelt Raketentriebkraft in meinen Hirnwindungen, aber sie meistert jede Kurve!
Alle Achtung!
Uwe

08. Dez 2018

Oh, vielen herzlichen Dank, lieber Uwe. So viel Lob. Du machst mich ganz verlegen.
Vielleicht bekommt mir das Winterirrlicht besser als ich meine ;)

Ganz liebe Grüße,
Ella