Keine Kerzen

Bild von noé
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Ich lasse leuchten, geh nicht mehr selbst,
die Kerzen anzuzünden.
Es flackert schön, und mir gefällt's,
muss besser ich's begründen?

Mit Batterie, elektrisch zwar,
doch es verschönt das Grab.
Was vorher brandanfällig war,
wirkt jetzt unkünstlich stark.

Die Blumen macht die Gärtnerei
sehr akkurat und schön,
ich bin schon bald nicht mehr dabei,
selber ans Grab zu gehn,

weil ja mein Kommen nicht dazu führt,
dass wir uns wiederfänden.
Die Pflege ist organisiert
und in sehr guten Händen.

Ich weiß, ich finde dich nicht mehr
in dieser dunklen Erde.
Ich komme wohl erst wieder her,
wenn ich beerdigt werde.

Inzwischen pflege ich dein Bild,
lebendig trage ich's im Herzen,
und wer mich vielleicht träge schilt:
Dafür braucht's keine Kerzen.

noé/2016

Ein bisschen träumen ... Amazon vermittelt ...

Interne Verweise

Kommentare

07. Dez 2016

Schön findet sich solch Kerzen-Ort
Stark im Geist und Wort - sofort ...

LG Axel

07. Dez 2016

Dein Gedicht bewegt mich zutiefst!
Liebe Grüße,
Angélique

07. Dez 2016

Manchmal hilft der Gang zum Grab zur Ruhe zu kommen und die Erinnerung lebendig werden zu lassen. Zusammen mit den Kerzen hat es dann etwas sehr schönes, fast meditatives. Aber, wie du es sagst, Erinnerung lebt im Herzen.
LG Sigrid

07. Dez 2016

Er ist dort nicht mehr zu finden ...
Die Erinnerung wird überall wach, an Orten, an denen wir gemeinsam waren, bei Dingen, die wir gemeinsam unternommen haben, einfach nur im Denken daran.
Auf diesem Teil des Friedhofs aber steht nur noch der Gedenkstein und die Bank, die ich habe aufstellen lassen ...
Ansonsten ist das Grab verwaist. Die Erinnerungsfunktion hat es verloren.