unversehens

von marie mehrfeld
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unversehens fällt traurigkeit
wie ein schatten über mich her
ein ausgehungerter wolf mit
müden augen auf der suche

nach der beute zur nachtzeit
will mich nicht reißen lassen
der tag wenn er so dunkel ist
verzehrt sich selbst zu hastig

schottet sich ab das fühlen in
watte verpackt ohne gesang
und meine toten sie sprechen
zu mir mit drohenden blicken

in verschlüsselter sprache
du musst sollst darfst nicht
hast zu vergeblich geliebt
meine zehn zehen grabe ich

tief in die geschundene erde
und wärme sie die wurzeln
die mich halten seit langer
zeit und ich bedanke mich

verbeugend vor euch dafür
ihr füße habt mich getragen
durch jubelnde höhen und
durch die hölle dann blinkt

im nachbarhaus ein licht und
als ich in den himmel schaue
fliegt die schar wilder krähen
mir krächzend über den kopf

Buchempfehlung:

92 Seiten / Taschenbuch
EUR 9,50

Interne Verweise

Kommentare

08. Dez 2018

arglos ahnende schatten
vertrauerter wolfbrut zur müden
reißzahnnacht eingebrochen
hastig über die dunkelnden Schotten
verzehrt verzerrt letzter lichter
im drohenden wurzeln vergraben
die zehen vorbeugend getragen
in dankbarem höllenjubel
ein blick auf das krähenschiff
im schräg herausfallenden
nachbarshimmelslicht…
mein WOW!
LG Yvonne

09. Dez 2018

Dein WOW zählt viel, liebe Yvonne, werde das Krähenschiff im Blick behalten, danke für Deine Y-wonnigen Worte …

LG Marie

08. Dez 2018

Back to the roots ...
Marie dankt ihren Füßen, die sie weit getragen ...
So weit ... Sie kann sich auch an
"schwere" Poems wagen.
Gefällt mir gut, Dein neues Gedicht,
hält alles, was die Überschrift verspricht.

Liebe Grüße,
Annelie

09. Dez 2018

Danke, Annelie, ja, Füße leisten Unglaubliches, können die Wege bezeugen, die man gegangen ist, ehren muss man sie und pflegen …
Dir einen fröhlichen zweiten Adventssonntag - Marie

08. Dez 2018

Aus dieser erstmal bedrückend und schonungslos offenen
Szenerie steigt dann doch die befreiende Hoffnung als Licht im Nachbarhaus hervor; der verdichtete Dank an die Füße, die uns ua durchs Leben tragen, gefällt mir. Was für ein wirkmächtiges Gedicht!
LG Ingeborg

09. Dez 2018

Die Achterbahn eines jeden Lebens, danke für Deine lobenden Worte, liebe Ingeburg, verdichteter Dank an unser aller Füße sollte sein von Zeit zu Zeit …

LG zurück zu Dir - Marie

08. Dez 2018

Oha, ist das gut, richtig gut, liebe Marie!
Hab's gleich mehrfach gelesen und finde Deine Zeilen grandios!
Wow!!!

Liebe Grüße,
Ella

09. Dez 2018

Danke, Dein Lob ehrt mich, liebe Ella, ich grüße Dich herzlich zurück –

Marie

08. Dez 2018

Das macht sie gern, die Traurigkeit -
Doch kam sie hier bei Dir nicht weit ...

LG Axel

09. Dez 2018

Traurigkeit, der Abgesang -
er daure niemals allzu lang …

LG und Dank an Axel - Marie

08. Dez 2018

Hallo Marie,
auch wenn uns diese tiefe Traurigkeit immer wieder mal einholt und uns ihre gierigen Reißzähne ins geschundene Fleisch schlägt, sollten wir nie auf die Kraft vergessen, die uns aus der Erde erwächst, die uns immer weiter zum Licht trägt. Sehr intensive und bewegende Bilder sind Dir hier gelungen.
LG
Manfred

09. Dez 2018

Liebe Marie
deine Zeilen haben mich tief berührt.
Danke

Liebe Grüße Cassy

10. Dez 2018

Ergreifende Zeilen, liebe Marie, sie erzählen von dir?! ... von mir! ... sprechen viele an. Das dunkle wird sich lichten, der Nebel heben. Dazwischen wir mit unserm Leben, das durch diese Zeit(en) irgendwie muss ...

Herzliche Grüße in deinen Morgen
Soléa

10. Dez 2018

Guten Morgen, liebe Soléa, ja, wir leben zwischen den Nebeln, die uns immer wieder bedecken und sich dann doch wieder lichten,
ich danke Dir und grüße Dich herzlich -

Marie