Panik auf der Titanic ...

von Annelie Kelch
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O Menschheit,
O ihr stummen Gärten,
Darin wie Fackeln
Bunte Blumen leuchten:
Die schöne Verlockung.

In Blütenblättern gestaut:
Sehnsucht nach Liebe
(Bestäubung, Befruchtung)
Wogt wie ein Meer.

Menschheit, was hast du getan?

Schlaraffenwiesen und -felder
Und den Besuch, der getaugt hätt
Zum Wabengeflecht ... AUSGEROTTET.

Nehmt die Titanic; nehmt
Das letzte Bild, darauf sie noch
Unversehrt übers Wasser gleitet:
Nichts – deutet auf Untergang hin.

Nichts deutet auf Untergang hin …
Auch ihr sitzt in einem Boot und schaut zu
Wie ihr euch selbst ins Jenseits katapultiert ...

Seht stoisch zu ... von einem Boot aus,
Das zu tragen sich weigern könnten die Meere,
Wenn die Taube mit dem Ölzweig
Nimmer zurückkehrt und unser Land
Hoffnungslos verloren ist.

Anstelle von Dickicht, darin sich
Tiere verbargen: geballte Leere,
Gestutzte Heckenfrisuren, klinisch rein.
Unter euren gleichgültigen
Augen verblasst der Mohn und
Dem Getreide fallen die Grannen aus.

Sonnenpfeile stürzen sich nun in die
Verlassenheit kleiner Ortschaften,
zu töten die Reste von Griffel
und Narbe.

Und ich, mein Lieb, muss einen hohen Preis
Dafür blechen, dich freizubekommen
Aus der Arrestzelle, in die man dich warf,
Weil du die letzte Biene auf Erden,
Die dich hat anstacheln wollen zu
Einem Coup, der uns alle hätt retten können,
Kaltblütig (in Wahrheit war es aus Panik
Und ein Versehen) erstochen hättest.

Das letzte Foto von der noch unversehrten Titanic, Foto: pixabay
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Interne Verweise

Kommentare

09. Jul 2018

Untergang mal anders …

Viele Sonnengrüße zu Dir
Soléa

09. Jul 2018

Danke, liebe Soléa.
Nicht nur die Sonne geht abends unter ...

Liebe Sommersonnengrüße zu Dir zurück,
Annelie

09. Jul 2018

Die letzte Biene auf Erden,
Suizid vorgezogen hätt
Dem Schicksal entronnen
Geklont zu werden
In furchtlos Furchtbarkeit
Zur Fruchtbarkeit gezwungen
In sterilisierter Untergangswelt
LG Yvonne

09. Jul 2018

Danke, liebe Yvonne, für Deinen feinen Kommentar. - Nicht allein Bienen bestäuben, sondern ja auch andere Insekten, und andere Pflanzen wiederum besamen sich durch kleine Sporen, die Hasel durch den Wind. Falls die Bienen aussterben sollten, müssen wir auf naturreinen Honig verzichten. Einigen Honigsorten wird zu Recht Heilkraft zugesprochen, viele schmecken zudem noch ausgezeichnet. Fabrikhonig würde ich nicht essen mögen. Ich weiß nicht, ob die letzte Biene auf Erden geklont werden möchte oder nicht - schad aber wär 's auf jeden Fall, wenn sie aussterben würden. Andere Insekten sind ja auch nicht besser dran. Ich habe neulich im Fernsehen von einem Landwirt gehört, dass die Grünfläche in unmittelbarer Nähe eines Flughafens mit Wildblumen besät wurde, die alle gut gediehen sind. Dort seien eine Menge Bienen ausgesetzt worden, die sich dort sehr wohlfühlen und den Fluglärm total ignorieren. Es sei sogar schon Honig produziert worden. Das wäre eine gute Möglichkeit, ein Aussterben (auch vieler Wildpflanzen) zu verhindern. Solche Brachflächen soll es ja noch geben.

Liebe Grüße,
Annelie

09. Jul 2018

Ja. Das ist wohl wahr, sah das Ganze auch mehr metaphorisch, die Biene als Stellvertreterin der Natur an sich, die, würden wir ihr ein wenig mehr Achtsamkeit entgegenbringen, und ihrem Einfallsreichtum vertrauen, sich durchaus neue Wege suchen würde... So etwa wie in der verseuchten Gegend um Tschernobyl sich tatsächlich die Natur - so sie in Ruhe gelassen - sich zu regenerieren beginnt... so auch die Wildblumenwiese am Rande des Flughafens.

Auch bei unseren Dorfwettbewerben (Golddorf etc.) wird streng darauf geachtet, wie Natur ins Dorfbild integriert wird, mit Blumen und Nutzgarten und Streuobstwiesen und einem zwei Meter breiten Streifen am Fluss, der nicht abgemäht sondern natürlich belassen wird...

Es muss jedoch einfach noch mehr in diese Richtung gedacht und dafür getan werden.

LG Yvonne

09. Jul 2018

Danke, für Deinen sehr wertvollen Kommentar, liebe Yvonne, der aufschlussreich und informativ war. Ins Dorfbild muss Natur unbedingt integriert werden. Die meisten Dorfbewohner leben ja auch meist in eigenen Häusern mit Gärten und können dazu beitragen, die Schäden, die durch Monokultur entstehen, zu begrenzen. Aber auch in den Städten müsste viel, viel mehr in dieser HInsicht geschehen.

LG Annelie

09. Jul 2018

Das trifft es, Annelie, gut und eindringlich verpackt hast Du die Botschaft, die uns alle betrifft, oder besser und genauer, diejenigen, die nach uns kommen, sie werden uns mit Fluch belegen ... weniger Drastisches fällt mir dazu nicht ein ...

liebe Grüße - Marie

09. Jul 2018

Danke, liebe Marie. Daran möchte ich, ehrlich gesagt, gar nicht denken. Unsere Nachkommen werden uns für reine Genießer und Verschwender halten, die nicht eine Sekunde lang an sie gedacht haben - etwa nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Dass unsere Generation es sein könnte, die die Menschheit auf dem Gewissen hat, ist ein makabrer Gedanke. Merkwürdigerweise dachte ich eben an eine Stelle in einem Buch von Barbara Rütting, die auf die tierquälende Käfighaltung der Hühner aufmerksam machen wollte. Sie schildert darin (unfreiwillig komisch), wie sie mit einem gedemütigten Huhn in der Hand hinter Frau Merkel hergelaufen ist, um sie auf den Missstand aufmerksam zu machen. Aber unsere Bundeskanzlerin hat sich keinen Deut drum gekümmert. Schade eigentlich. Barbara Rütting war damals, so glaube ich mich zu erinnern, bereits Alterspräsidentin im Bundestag.

Liebe Grüße,
Annelie