Spazierengehen

von Robert K. Staege
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Schweigend durch den stillen Wald gegangen,
vom Wind im Laub den Zauber eingefangen,
die ersten bunten Blätter fielen leise.
Mein Herz, es schlug in wundersamer Weise,
und meine Füße glitzerten vom Tau.

Mein Geist tat eine ungeahnte Reise,
und Phantasie war meine Seelenspeise.
In ferne Welten konnt' ich so gelangen,
bin doch allein in mir umhergegangen.
Über mir blicklos nur des Himmels Blau.

Wie lustvoll tat ich jenem Zauber lauschen,
des Waldes Rufe und der Bäume Rauschen
haben die Sinne mein so froh genossen.
Dann kamen lärmend Menschen angeschossen.
Der Zauber war erstarrt in Grau,

als hätt' man mit Beton ihn übergossen.
Auch der Wald schien plötzlich ganz verschlossen.
Wie gerne wollte Ort und Zeit ich tauschen,
anstatt zu hören dies banale Plauschen;
- ein dummer Kerl und eine laute Frau.

Ich sprach zu mir:"Musst nur ein wenig warten!
Geh doch solang in Deinen inn'ren Garten,
und schließ' dies laute Treiben aus!
Tief in Dir ist doch jenes stille Haus!"
Und leiser noch erwidert' ich: "Genau!"

Und so betrat ich das Gedankenhaus,
und aller Ärger flog zur Tür hinaus,
dafür ertönten Laute aller Arten.
Im Wald, im Haus und dort im Garten
erstrahlt' azurn der Himmelsbau.

Und wieder fielen Blätter leis' von Bäumen,
und wieder schwebte ich in sel'gen Träumen
durch das vom Herbst gefärbte Sinnen;
die Phantasie trug mich ganz sanft von hinnen,
hinein ins Rot und Gelb, ins Grün und Blau.

Geschrieben am 14. September 2017

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Kommentare

10. Nov 2017

Wunderschön. Schmelze mit dem Text dahin und fühle mich 'wie mitten im Wald'. Im geliebten Wald.

LG Monika