Integration ist manchmal unmöglich...

von Willi Grigor
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..oder das genaue Gegenteil.

Ich hab Verständnis, ja Respekt,
wenn wem das neue Land nicht schmeckt,
der verdrossen reagiert,
eine große Trauer spürt.
Jede Umstellung braucht Zeit
und fordert eine Kleinigkeit,
nicht wenig Wille, Kraft und Mut,
Hilfe, Widerstand und Wut,
das Wissen, was "ich will es" heißt,
ganz tief im Herz, nicht nur im Geist.
Wer auch nach Jahren nicht erkannt:
"Dieses neue ist mein Land!",
den jeder Traum "nach Hause" führt,
möcht's sein, doch ist nicht integriert.

Es ist kein Trost, was ich jetzt sag,
- und keine Überlegenheit,
ich hatte Glück und war bereit
zu einer bessren Zeit -
doch dankbar ich's im Herzen trag:
Auch ich war, zweimal, Emigrant
und anschließend dann Immigrant.
Ich wusste nichts vom neuen Land,
doch schon nach Wochen ich empfand:
Mein Schicksal hat es gut gemeint,
- beim ersten Mal mich zwar gequält,
nicht reagiert, wenn ich geweint,
auf diese Art mich wohl gestählt -
es öffnete für mich das Tor
zu einer neuen Lebenswelt.
Ich steh nicht rüttelnd mehr davor,
bin durch und in sie integriert,
bin angekommen, hier.

Sie gibt mir alles, was ich brauch,
nicht selten etwas mehr.
Mich mag das Glück, sie nicht: die Not.

(Doch wünsche ich mir öfter, sehr:
deutsches Bier und Schinkenbrot.)

© Willi Grigor, 2017
Aus dem Leben

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Kommentare

10. Sep 2018

Ja, man muss schon offen sein -
Sonst kommt man nie in Neues rein ...
(Den Bierwunsch Krause unterschreibt -
Wobei's bei einem Bier kaum bleibt ...)

LG Axel

10. Sep 2018

Lieber Willi, dein Gedicht hat mir gut gefallen. Und ich habe einen Tipp für Dich: Halte Dir ein deutsches Schwein und lass Dir von einer deutschen Brauerei ein Rezept geben: Dann kannst Du Dir deutsches Bier selbst brauen, sofern das erlaubt ist. Eigentlich müsste es doch irgendwo in Schweden deutsches Bier geben ... das wäre doch gelacht.

Liebe Grüße,
Annelie

10. Sep 2018

Lieber Willi, in unserem Schwedenurlaub (ist Jahre her) war ich total erstaunt, dass wir einige deutschsprachige Schweden trafen. Auch unser Vermieter , der uns zu einem genialen einsames kleines Blockhüttchen am See verhalf, sprach nahezu fließend Deutsch. Er meinte, er habe im Bereich Textil viel geschäftliche Beziehung nach Deutschland gehabt. Einer unter den vermeintlichen Schweden, die gut deutsch sprachen, WAR ein Deutscher, der ausgewandert ist, wie du. Auch er hat es nicht bereut .

Mir gefällt dein Gedicht sehr gut.
Liebe Grüße
Anouk

10. Sep 2018

Willi, ich stimme Dir zu, "der, den jeder Traum "nach Hause" führt, er ist hier noch nicht integriert." Doch gebe ich zu bedenken, dass auch Deutsche überall auf der Welt kleine "Gemeinden" bilden, die fest zusammen halten und ein Deutschlandbild pflegen, das längst überholt ist. In Mexiko habe ich das erlebt, es war etwas skurril. Diese Medaille hat also nicht nur eine Seite ...

liebe Grüße zu Dir - Marie

12. Sep 2018

Danke für die freundlichen Kommentare, liebe Litpro-Freunde!

Schreibe dies in aller Hast,
habe einen Freund zu Gast.
(Kumpel, Spezi, Erich Grieger,
auch bekannt als "Sportkampfsieger".)
Ferne Freundschaft mag ich leiden,
sie erstarkt durch Kommen, Scheiden.

Betr. "Sportkampfsieger" - siehe literatpro.de/gedicht/300718/duesseldorf-eine-zwischenstation

LG
Willi