In seiner Auster

von * noé *
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Den ewigen Rat der Ältesten hören,
ein Kind dabei bleiben, den Regeln zum Trotz,
sich sehnsuchtsvoll nach den Mustern verzehren,
ein Opfer des Generationenkomplotts,

zu wissen, es wird sich nie etwas ändern,
möchte man noch so beherzt es begehren,
der Wind spielt wie eh mit den Maibaumbändern
und schmerzlich brennen des Lebens Lehren.

Man wird nicht gefragt, auf Erden zu leben,
im ersten Protestschrei ist alles vertan.
Ein jeder, der atmet, hat sich dem ergeben,
auf ihn selbst kommt es dabei noch nicht einmal an.

Und dennoch versucht er, den Stein zu bewegen,
wohl wissend, er bleibt in dem Kampfe allein …
Vom Inneren drängt ihn sein ureignes Streben,
in seiner Auster die Perle zu sein.

© noé/2017

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Kommentare

12. Jun 2017

Das berührt mich auf sonderbare Weise.. Ich glaube, es greift nach mir vor allem aus der zweiten Strophe heraus.
LG
Ben

12. Jun 2017

Ich will die Auster sein, die sich um eine Perle schließt.
Die Perle, noé, das ist dein Gedicht
und deine ganz besondere Sicht:
die Worte, die man stauendend liest,
während man schweigt - und sie genießt.

LG Annelie

12. Jun 2017

Mich berührt dein Gedicht auch sehr, liebe noe´, wir wurden alle nicht gefragt, ob wir dieses Leben wollen und wurden ins "kalte Wasser" geworfen, machen wir also das Beste daraus. Ich wünsche dir eine angenehme Woche!
LG Claudia

13. Jun 2017

Dein Gedicht spricht auch mich sehr an und vor allem den Schluss mit der Metapher von der Auster und der Perle finde ich sehr schön! Warum chillen wir nicht einfach mal alle ein bisschen, ohne unbedingt Perle sein zu wollen? Was soll der Perlmutt? Ist doch eigentlich Kitsch. Keiner hat uns gefragt, ob wir kommen wollen, keiner fragt uns, wann wir gehen wollen. Und das will dann ja auch keiner, normalerweise. Aber eins ist sicher: Selten steht man so gut da, wie bei seiner eigenen Beerdigung! Nur echt blöd, dass man da nicht mehr dabei ist. Also: Unbedingt vorher eindeutig Perle werden! Für irgendjemand, dem man so viel wert ist. Auch als Sandkorn. Allerdings entstehen Perlen, wie ich grade gelesen habe, wohl gar nicht wirklich aus Sandkörnern. Aber die Liebe macht Sandkörner zu Perlen, immer, das glaube ich jedenfalls sehr.
LG Tanja

13. Jun 2017

... und dennoch versuchen, den Stein zu bewegen, da gebe ich dir recht. Etwas optimistischer als du behaupte ich, man ist mit diesem Ansatz keinesfalls alleine. Ein gutes, nachdenklich stimmendes Gedicht.
Liebe Grüße, Marie

13. Jun 2017

Steine, Perlen und Perlmutt,
eure Resonanz tut gut ...
Danke!