Du bist so wild nach meinem Kaviar ...

von Annelie Kelch
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Das Meer lässt die Flügel sinken
Unterm Halo des Mondes zieh
Ich leis mit den Fischen dahin:
Halkyonische Tage …

Sterne fallen herab zu erhellen, was in
Der Tiefe verstummt ist ...
Zusammengefaltet liegen die Toten
Zwischen blühenden Algen, Gebein
An Gebein. Dort wollte ich sein ...

Dein Trawler ist außer Gefahr
Aber das Netz ... zerrissen wards
Von den Ägirstöchtern beim Tanz
Mit den wilden Wellen

Du wirfst die Angel aus ... mich an Land
Zu ziehen; zwischen uns steht nur noch
Der Blinker; aber ich beiße nicht an

Schillernd, die künstliche Fliege
Neben dem Drilling spricht mir Mut zu:
Das Aas will mich zappeln sehn ...

Du bist so wild nach meinem Kaviar ...
Aber ich flehe um Gnade
Meine Art ist bedroht
Von menschlichen Haien ...

Noch trennt uns der Blinker
Daran ich zugrund gehn soll
In meinen Kiemen rauscht schon
Das Blut des Mondes ... mein Aug
Sehnt sich nach der blauen Brust
Des Himmels

Ein fliegender Fisch
Ist mein heißblütig Herz:
Neben der Zeit und
Neben der Spur.

Halkyonische Tage … = Tage der Ruhe auf dem Meer

Foto und Bearbeitung: Copyright anne lie
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Kommentare

13. Sep 2018

Dein nachdenklich stimmendes Gedicht ist viel mehr als eine Ode an der Stör, Annelie, das weiß ich, aber Du hast mich angeregt, mich mit diesem Fisch zu befassen, in unseren Flüssen lebt er nicht mehr, ein wunderbarer Urfisch ist er, ihn gab es schon vor 200 Millionen Jahren, Meteoriteneinschläge hat er überstanden, Eis- und Trockenzeiten und sogar die Dinosaurier, auf Wandern ist er bedacht in den Meeren der Welt, kehrt zum Laichen aber immer wieder zurück in seinen Fluss, doch weil uns sein Fleisch schmeckt und vor allem die Eier des Weibchens, und auch, weil wir unsere Gewässer verdrecken ließen, musste er dran glauben und ist weltweit vom Aussterben bedroht, der Mensch ist eine Fehlkonstruktion mit eingebautem Zerstörungstrieb und lernt nicht dazu, man müsste den Genuss von Kaviar weltweit verbieten …

liebe Grüße - Marie

13. Sep 2018

Liebe Marie, vielen herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, der mein Gedicht ganz hervorragend ergänzt. Ich brauche auch keinen Kaviar, vielmehr mag ich ihn noch nicht einmal. Aber alles, was nicht nach Bratkartoffeln mit Speck etc. schmeckt, reißt sich die High Society, reißen sich die oberen Zehntausend, unter den Nagel - ohne Rücksicht auf Verluste. Es gibt übrigens einen kleinen Fluß in der Nähe von Itzehoe, der "Stör" heißt; ein Nebenfluss der Elbe. Ich hoffe sehr, dass es wenigstens ihn noch gibt und dass er noch genügend Wasser führt. Da die oberen Zehntausend ja dafür bekannt sind, dass sie ein Minimum an Intelligenz besitzen, bin ich mir nicht sicher, ob er zum Pilgerort dieser Leute geworden ist, um wenigstens noch Störwasser zu genießen, weil ihnen der Kaviargenuss aufgrund der Ausrottung des Störs bald versalzen wird.

Liebe Grüße und einen schönen Abend,
Annelie

13. Sep 2018

Atmosphärisch hab ich mich in ein Turner Gemälde , z.Bsp.hineingezogen gefühlt. Aufgewühlt nicht nur die See, auch mein Gefühl beim Lesen. Doch das "heißblütige Herz" steht über Allem, ist und bleibt, viellt als Hinweis auf Ewigkeit zu deuten, neben Zeit und Spur.Sei herzlichst gegrüßt, liebe Annelie, von Ingeborg

13. Sep 2018

Liebe Ingeborg, ganz lieben Dank für Deinen Kommentar. Bei "Turner" dachte ich sofort an ein aufgewühltes Meer. Ich habe ihn gerade noch einmal gegoogelt - fast alle seine Bilder handeln in irgendeiner Form von der See. Er war ein großartiger Maler. Es gibt ja dieses Sprichwort: "Kalt wie ein Fisch ..." Dem wollte ich unter anderem auch entgegenwirken. Ich fühle mich in diesem Gedicht wie eine Störin (nicht Störerin), die für den Kaviar anbeißen soll - sie hat den Angler durchschaut. Das heißblütige Herz bleibt bestehen, auch wenn es aus der Spur ist ...

Herzliche Grüße zu Dir zurück - Morgen Mittag beginnt für viele Menschen das Wochenende,
aber wir sind ja fast immer mit dem Herzen bei der Literatur,
trotzdem oder gerade deshalb wünsche auch ich Dir
ein schönes Wochenende,
Annelie

13. Sep 2018

… es gibt kein Halten, Annelie, schon lange nicht mehr. Ob zu Land oder im Wasser, piepegal, der Mensch ist und bleibt das dümmste Tier (falls es überhaupt eins gibt) …
Dein Gedicht als Nichtanglerin hat Tiefgang, berührt.

Sei lieb gegrüßt
Soléa

13. Sep 2018

Liebe Soléa, ich danke Dir ganz lieb für Deinen guten Kommentar. Du hast vollkommen recht. Sobald auch nur der klitzekleinste Verdacht bestehen sollte, dass irgendeine Tierart auf dem schlechten Weg ist auszusterben, muss man Maßnahmen ergreifen, um diesem Geschehen Einhalt zu gebieten.

Liebe Grüße zu Dir und auch Dir und
Deiner Familie ein schönes Wochenende,

Annelie

14. Sep 2018

Liebe Annelie, ich bin auch der Meinung, dass wir alle Verantwortung tragen, bedrohte Tierarten nicht weiter durch unseren "Hunger" zu dezimieren, seien es Essgelüste oder der "Hunger" nach Pelz oder Elfenbein oder andere "Trophäen". Schlimm!
Aber auch weniger vom Aussterben bedrohtes Getier muss man nicht unbedingt essen, ich denke da an Froschschenkel u.ä.
Sollte der Mensch wirklich von Hungersnöten bedroht sein, würde so selbst ich wahrscheinlich alles zu mir nehmen , um nicht einzugehen. Aber so, wo es genug Körner und Gemüse gibt, verzichte ich weitgehend auf Fleisch, auch auf Fisch ( de mag ich nicht, Kaviar auch nicht) es sei denn der Arzt mahnt mal wieder meinen niedrigen Eisenspiegel an ( den ich trotz pflanzlichem Eisen nicht gut in den Griff bekomme)

Dein Gedicht ist wunderbar , ich hoffe, deine ergreifende Beschreibung aus der Sicht des Fisches ruft einige wach , die bisher noch nicht darüber nachgedacht haben
lg
Anouk

14. Sep 2018

Liebe Anouk, vielen Dank, dass Du Dir trotz vieler lieber Pflichten noch Zeit zu einem Kommentar genommen hast, über den ich mich sehr gefreut habe. Ich mag Fische sehr, gebraten, gekocht etc.; habe aber zehn Jahre auf jeglichen Fisch verzichtet, noch nicht einmal Makrele oder Hering in Tomaten gegessen. Das ist ca. vier Jahre her. Jetzt esse ich nur hin und wieder mal Fisch. Fleisch esse ich gar nicht, allerhöchstens mal Hähnchen- oder Putenscheiben als dünnen Aufschnitt. An Eisenmangel habe ich auch früher gelitten und nahm von meiner Ärztin verschriebene Arzneimittel ein. Seit ich Tofu esse, brauche ich diese Mittel nicht mehr. Auch grünes Blattgemüse, getrocknete Pflaumen und Aprikosen helfen sehr, wenn man wenig oder gar kein Fleisch oder Fisch zu sich nimmt. Sogar leichter Mangel an Eisen soll die körperliche und geistige Leistung des Menschen beeinträchtigen, den Wärmehaushalt und die Krankheitsresistenz, schwere Mangelerscheinungen führen sogar zur Anämie. Ich müsste wohl auch mal wieder ein Präparat einnehmen, da ich insgesamt relativ wenig esse. Danken möchte ich Dir noch für Dein liebes Lob. Dir und Deiner Familie wünsche ich ein schönes, sonniges Wochenende,

liebe Grüße,
Annelie

14. Sep 2018

Da bist Du auf eine feinfühlige und kreative Weise in die Seele eines Störs gelangt, um uns über seine von Menschen zugefügten Qualen aufzuklären. Mit welcher Brutalität wir uns über seine Innereien hermachen. Sie als Delikatesse Kaviar preisen. Liebe Annelie, da ist Dir wieder mal ein poetisches Werk mit Tiefe, Erschütterung und Aktualität gelungen. Mein Dank geht an Dich!

Liebe Grüße,
Monika

14. Sep 2018

Liebe Monika, ich habe Dir zu danken für Deinen sensiblen Kommentar. Das Gedicht ist im sehr frühen Morgengrauen entstanden, um ca. 04:30 Uhr; ich habe ca. zwei bis drei Stunden daran gearbeitet, bis ich einigermaßen zufrieden war. Dann das Foto, das eigentlich einen Parkausschnitt darstellte, in eine Bucht mit Fisch zu verwandeln, dauerte ebenfalls noch ca. eine Dreiviertelstunde. Danach war ich extrem müde, habe aber noch bis ca. 15:00 Uhr durchgehalten und bin dann in einen tiefen Schlaf gefallen. Aber noch am Abend war ich sehr müde, dass ich mich, statt zu lesen oder zu lernen, vom Fernsehen hab berieseln lassen. Es gab früher in Itzehoe (Kreisstadt vom Kreis Steinburg) wo ich früher mal zur Schule ging, Itzehoe liegt nah bei Glückstadt, einen Fluss, der "Stör" hieß, die Stör, ein kleiner Nebenfluss der Elbe. Ich hoffe, er führt noch Wasser, ich war lange nicht mehr dort. Ich danke Dir sehr für Dein liebes Lob, das mich total entschädigt für die Zeit (um diese frühe Zeit), die ich fürs Gedicht geopfert habe.

Liebe Grüße zu Dir und Khalessi und ein schönes Wochenende,
Annelie

14. Sep 2018

Ein wahrhaft tiefgründiges Gedicht.
Ein Stör, der leicht verstört, der betroffen macht, der mich mitnimmt in die Tiefe. Ich hoffe so sehr, dass er stark bleibt und nicht anbeißt. Das hoffe ich für jeden Fisch.

Alles Liebe, Susanna

14. Sep 2018

Das hast Du so toll geschrieben, liebe Susanna, ich wette, dass ich beim Lesen ganz blanke Augen bekommen habe vor lauter Glück über diesen schönen Text. Ich danke Dir von ganzem Herzen für diese lieben Zeilen.

Viele liebe Grüße zu Dir - und was ich Dir noch sagen wollte:
Dein letztes Gedicht war kein bisschen kindlich und dazu extrem gut.
Und selbst, wenn der Text kindlich gewesen wär, wäre er immer noch
extrem gut gewesen.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Annelie

15. Sep 2018

Bitte lasse die Kelch nie an mir vorüber gehen...
wenn du das Zitat (da ist der Kelch noch maskulin) ist kennst?
LG Uwe

15. Sep 2018

"Kelch" ist nur angeheiratet, lieber Uwe - und selbst mein Mädchenname ist nicht mein richtiger Name, weil mein Vater aus dem Waisenhaus adoptiert wurde. Aber ich kenne zumindest meinen richtigen Mädchennamen. Er ist nicht im letzten Krieg aus seinem Gedächtnis gelöscht worden.

Liebe Grüße und vielen Dank für Dein Lob, das Zitat kenne ich,
aber ich gebe überhaupt nichts auf solche Interpretationen und Volksdeutungen,
Annelie

15. Sep 2018

Ich gebe auch nix drauf, da sind wir gut von unseren Erfahrungen beraten worden.
Das Zitat lautet "Lass den Kelch an mir vorüber gehen",
ich hab das Gegenteil daraus gemacht, weil ich deine Gedichte und Aussagen halt nie missen möchte. Bitte entschuldige, wenn es missverständlich ankam, das wollte ich nicht. (Sollte mich zukünftig erheblich kürzer fassen.)
LG Uwe

15. Sep 2018

Lieber Uwe, es gibt keinen Grund, dass Du Dich entschuldigen müsstet. Ich kenne dieses Zitat auch ... Und ich freue mich wirklich sehr, dass Dir meine Gedichte gut gefallen. Schreib uns allen ruhig so weiter wie bisher: Das erhellt den Tag.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Annelie

15. Sep 2018

Danke!
U.

(Ja, so kurz is nix, lieber wie bisher, du liebe Annelie.)

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