Dystopische Erinnerungen

von Yvonne Zoll
Mitglied

Irdische Facetten enzyklopädisch
Zentrifugaler Gefräßigkeit entpuppten
zu absurden Anhängseln von Seelen in
verlorener Komödie triebhaft sich

Erlitten Schiffbruch der gewürdigten
Diskurse firmierter Ironie wurden zu
Gefangenen in durch Impertinenz
Verformten letzt vernetzten Refugien
Intakten Verstands

Wünsche Wundertüten nach
Belieben Zutritt zu gewähren
Sakrosankte Inbrunst gegen
Über mangelhaften Privilegien

Der Bewegtheit unvollkommener
Prinzipien wenigstens der Extravakanz
Vaganz ein unerlaubtes Stöbern
Stöhnend trüber Mutgedanken bloßgelegt

In krassgrellweißer Röntgenschicht
Ersterben Leichen vor den Inkunabeln
Millionenschwerer Galerien
Zur vampiristischen Errettung

Brennen Schatten-Kathedralen
Verdunkelte aufs Gerade wohl
Den Kreaturen preisgegeben
Die Gourmets verkosten
Schillersche Gemüter

Gestatten – Traumtalent –
Spaziergang durch die
Manierlich manieristisch
Pittoreske Watte einst
Metallischer Erinnerungssplitter

In moribunder Restaurierung
Wie sich neu erschaffen aus
Entführter Weisheit ist nur DNA
Essenz gewärtig zukünftigen Lebens
Scholastisch schwarz verkocht Humor

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Interne Verweise

Kommentare

14. Jul 2018

Liebe Yvonne, Deine Gedichte fordern mich immer wieder heraus. Zum letzten Vers fiel mir sofort ein: Humor ist immer dann engstirnig (scholastisch), wenn er nicht "ins Schwarze" trifft. Der Ausdruck: "moribunde Restaurierung" gefällt mir ausgesprochen gut. Und meinst Du mit "dystophisch" (lt. Duden: med. Störung des normalen Spannungszustandes der Muskeln und Gefäße) tatsächlich "dystophisch" oder "dystrophisch" (Ernährungsstörung), weil Du ja im ersten Vers die zentrifugale Gefräßigkeit ansprichst, bei vielen Menschen beliebt, weil sie ja zum Wirtschaftswachstum ganz enorm beiträgt (Anm.: ich habe heute noch nichts gegessen, habe aber nichts gegen Wachstum im Allgemeinen). Kurz: Dein Gedicht, insbesondere ab dem dritten Vers, gefällt mir ausgezeichnet.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Annelie

14. Jul 2018

Gemeint ist das Adjektiv zu Dystopie als Gegenteil der Utopie - es handelt sich bei den ersten Versen um eine negative Beschreibung des Immer-mehr-Wollens ohne jegliche ethische Rücksichtnahme ....

LG Yvonne

14. Jul 2018

Liebe Yvonne, danke für Deine Erklärungen. Ich habe entdeckt, dass ich der Dystopie fälschlicherweise ein "h" zugefügt habe, so dass ein anderer Begriff entstand. Im Duden der Deutschen Rechtschreibung von 2017 habe ich "Dystopie" nicht gefunden. in einem Lexikon von 1961 wurde "dystopisch" als "Verlagerung" (bes.medizinisch) erklärt, aber dann - endlich - ,unter Wikipedia, fand ich die Erklärung "antiutopistisch". Damit ist dies Rätsel für mich gelöst.

LG Annelie

14. Jul 2018

Dein bizarr sprachgewaltig klirrendes
antiutopisch - eutopisches Gedicht
ist bei mir gut gelandet, Yvonne,

liebe Grüße - Marie

14. Jul 2018

als Adjektiv zu Dystopie habe ich es verstanden.
Dein Gedicht gefällt mir, aber meine für Semantik und Syntax
nur leidlich trainierten Neuronenverbände probten wieder mal
den Aufstand ...
lG
ulli

14. Jul 2018

Vielen herzlichen Dank für eure zugeneigten konstruktiven Kommentare, das von Ulli Nass beschriebene Problem verfolgt mich tatsächlich schon seit vielen Jahren - auch im wissenschaftlichen Arbeiten ;)... Mal sehen, was ich daraus machen kann.

LG Yvonne

14. Jul 2018

Gilt John Searle noch ? Computer und auch KI können nur Syntax ? Chinese Room . . .
Lange nix mehr von T. Metzinger gelesen.Tononi

14. Jul 2018

Computer können mehr als Syntax ;): Metzingers Ego-Tunnel ist äußerst interessant, finde ich, auch Werke wie Rids Maschinendämmerung (2016) sind diesbezüglich lesenswert oder Schmidt und Cohen: Die Vernetzung der Welt - Ein Blick in unsere Zukunft - Auch Lars Jaegers Supermacht Wissenschaft entwirft ein ziemlich erschreckend(realistisches) Szenario der Vernetzung künftiger Generationen mit KI - und dem "Abfallprodukt" "normaler Mensch", der übrig bleibt - auf dem Schrotthaufen der Geschichte...

Ein äußerst weitläufiges Gebiet

LG Yvonne

14. Jul 2018

Yes.Metzinger mag ich.Da ich etwas älter bin sind meine 'Heroes' Damasio,Kandl,Ramachandran, Edelman etc.
Hoel, Tononi zu 'emergente Kausalität' ist noch nicht überzeugend.Der Vorwurf des Reduktionismus trifft nicht wirklich.
Die Systembiologie weiss das schon lange.
Was ist Bewusstsein ? Wir werden sehn.
Metzinger liegt wohl nicht falsch. Hänge einen Link an.

http://www.axess.se/tv/vodplayer.aspx?vod=6821

lG
ulli

15. Jul 2018

Alles klar und liebe Grüsse.
Computer können noch nicht mehr als Syntax.Da bin ich bei Searle . . .ulli

15. Jul 2018

Nur ist das Problem, dass kaum jemand die Möglichkeiten und zu implizierenden Konsequenzen unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnisse (Biogenetik, Physik, Nanobots, Heilung von Krankheiten, Manipulation...) auch und gerade im Bereich einer politisch verantwortbaren Ethik zu überblicken und sinnvoll argumentierend einer Allgemeinheit (die sich so gar nicht interessiert) zugänglich zu machen versteht, von einem aktiv-wirksamen und koordiniert-ethischem Handeln schon gänzlich zu schweigen... Manches - Vieles kommt einem wie die böse Wunderkiste der Pandora vor, die ohne Rücksicht auf die Folgen geöffnet wurde - und dann interessiert sich die Welt lediglich für sinnfreie Treffen irgendwelcher selbst ernannten Eliten - Promis - von Medien gemacht...

LG Yvonne

15. Jul 2018

Mit der" Pandora" stimme ich zu.Das war aber nicht das Thema.
Du erinnerst dich? Können Maschinen Semantik ? Sie müssten Bewusstsein haben !?
Ein großes Thema.Bin seit Popper/Eccles "Das Ich und sein Gehirn" Ende der 70iger damit
beschäftigt . . .
Dein "Kokettieren" mit deinem Sprachspiel(stil) ist übrigens
überschaubar lustig. Ernsthafte Kommunikation bedarf dieses Stilmittels nicht, meine ich.Für die Gedichte ist das total
OK, sogar spannend.Ansonsten, it don,'t impress me much, OK ?
Tiefgründigkeit geht auch einfacher.
Ich hoffe, meine Anmerkungen sind syntaktisch und semantisch akzeptabel und nicht verletzend.
Love&Peace
liebe Grüße und danke für den 'Austausch'
ulli

15. Jul 2018

Bezüglich des Bewusstseins von Maschinen - so der Zusammenhang - ist der Übergang für mich fließend: Wann ist der Mensch zur Maschine mutiert? Wenn Gene manipuliert, er fast unsterblich gemacht? Ist's dann noch das, was "Mensch" gedacht - und was als Menschlichkeit impliziert wird - mitnichten, denke ich.
In kurz gefasster Semantik ...zum Sonntagabend

Doch jetzt muss ich mich um die Steaks kümmern ;)...

LG Yvonne

15. Jul 2018

Von Willi, der nebenan auf der Wiese stand - Bio ohne Genmanipulation...