Heißzeit statt Eiszeit ...

Bild von Annelie Kelch
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Bleibt zurück, ihr verdorrten Berge, bleibt …
Zu nah schon seid ihr mit euren schrumpligen
Füßen den Städten und Dörfern auf die
Versteinerten Brandmale gerückt.

O Invasion grauer Bären mit müden Flanken ...

Über alle Ufer schwappen sich
Flüsse und Meere leer;
Ineinander verkrallt: Die Gezeiten –
Sind sich in die Arme gesunken,
Wissen zu reden vom Triumph
Erlösender Ewigkeit nach Brandung
Und Brecher zuhauf ...

O Liebespaar der Heißzeit, nie mehr
Getrennt: Ebbe und Flut … Die Sonn brennt sich
Todwund – kein Wunder,
Das sie noch übertreffen könnt ...

Im Wald pfeift eine dunkle Sperlingswolke
Über nackt genadelten Tannen den Notstand
Aus. – Wir freunden uns mit dem Gedanken an,
Bald sterben zu müssen.

O Sonne, deine Leidenschaft pflügt uns unter die Erde ...

Chaos bricht aus und schleudert mich zu dir …
Paar hundert Kilometer weit – in noch
wüstere Wildnis, näher ans Grab …

O glanzlose Pfütze, Rest der Meere, zum letzten Mal schau
Ich dein trauriges Aug.

Nun weckt mich die Hitze, und alles
Ist noch beim Alten: Du hast mich gottlob
Nicht vom Strauch abgebeert ...
In Tränen aufgelöst, auf der bloßen
Haut das von Telegrafendrähten
Zerissene Nachtkleid.
Mit fliegenden Haaren und durstig spröden
Lippen – so kam ich zu dir durch trocknes
Gebüsch gefegt.

O Schicksal, töte mich, bevor die hysterische
Sonne ein Spiegelei aus mir brät und mich vernascht ...

Nun richt ich mich auf voller Sorge,
Nun schau ich mich um: Der Besen, darauf ich geritten
Durch dornig Gestrüpp, liegt zerbrochen mitten im Zimmer.

O alter Besen, der Hitzschlag hat dich getroffen, kannst
Nimmermehr sein mein Hüter und Helikopter ...

Die Heißzeit - sie wird wohl irgendwann kommen - so oder so ... "Die Gefahr einer Heißzeit kann aus Sicht von Klimaforschern selbst beim Einhalten des Pariser-Klimaabkommens nicht ausgeschlossen werden. Dabei würde sich die Erde langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen, schreiben Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Wissenschaftliche Belege, ab welcher Erwärmung genau damit zu rechnen ist, liefert die Studie allerdings nicht. Es geht eher um eine grundsätzliche Warnung.
Die Forscher analysierten sogenannte Kippelemente im Klimasystem. Dazu gehören etwa die auftauenden Permafrostböden in Russland, die Eisschmelze in der Antarktis, die sich erwärmenden Methanhydrate auf dem Meeresboden und die großen Ökosysteme wie der Amazonas-Regenwald.
Sie könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten, sagte Autor Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Kodirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). "Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren Kipppunkt zu." Durch eine solche Rückkopplung könnte sich der Klimawandel selbst verstärken.
Jonathan Overpeck von der University of Michigan bezeichnet die Studie als "wichtigen und provozierenden Artikel". Er teilt zumindest die Sorgen der Studienautoren: Auch wenn es nicht möglich sei, die exakte Erdtemperatur zu bestimmen, bei der eine Kaskade von Kippelementen die Erde in Heißzeit bringe, sei es richtig, sich Gedanken zu machen. "Die Risiken zu ignorieren, könnte katastrophal für den Menschen und den Planeten werden." Quelle: SpiegelOnline

Interne Verweise

Kommentare

14. Aug 2018

Erschreckend
und
Eindringlich

Es sind so viele Zeichen -
wann wachen wir auf?
Ist es (nicht) schon zu spät?

LG Yvonne

14. Aug 2018

Danke, Yvonne, für Deinen Kommentar. Die Heißzeit wird kommen; ich denke, die Frage müsste lauten: Wann? - Klimaforscher befürchten, die Erde könnte sich viel schneller erwärmen als gedacht. Und das haben wohl auch wir Menschen mitverursacht. CO2 ist in hohem Maße auch dafür verantwortlich; immer weniger Bäume können es speichern; dadurch wird es auf der Erde wärmer. Weniger Regenwald bedeutet, dass es an manchen Orten weniger regnet u.s.w. Es gibt noch viele Faktoren, die in Bezug auf die Erderwärmung eine Rolle spielen.

LG Annelie

14. Aug 2018

Da stockt mir der Atem, liebe Annelie. Sehr drastisch beschreibst Du bildhaft mit furchteinflößender Phantasie ein Endzeitszenario. So schließe ich mich Deiner Bitte an >O Schicksal, töte mich, bevor die hysterische
Sonne ein Spiegelei aus mir brät und mich vernascht ...<
Dennoch Mut zur Hoffnung!

LG Monika

14. Aug 2018

Liebe Monika, ich freue mich, dass Du Dich auch nicht (von der Sonne) vernaschen lassen möchtest. Furcht wollte ich Dir allerdings nicht einflößen ... Vielleicht wird uns die bevorstehende grausame Hitze nicht mehr treffen, aber unsere Nachfahren ganz sicher - leider. Und möglicherweise können jetzt einige Leute sich etwas verständnisvoller verinnerlichen, dass sich in den wärmeren und warmen Ländern eine andere Mentalität herausgebildet hat, die deren Einwohner - auch aus klimatechnischen Gründen - sich glücklich schätzen lässt, das fünfzigste Lebensjahr überhaupt zu überdauern und dass dort die Arbeitskraft aufgrund des Klimas doch erhebliche Einbußen erleidet. Diese Menschen sind mitnichten fauler als wir, sondern durch das Klima geprägt, weil es sie in vielen Aktivitäten eher negativ beeinflusst. Ich bin dafür, dass die Superreichen dahingehend besteuert werden, dass sie einen Obolus an die Klimaforschung leisten müssen. Konsumverhalten (mehr Autos, mehr Kühlschränke, mehr Technik insgesamt etc.) fördert nicht allein die Umweltverschmutzung, sondern auch den Klimawandel, und zwar ganz erheblich.

LG Annelie

14. Aug 2018

Wissenschaftler befürchten, die Permafrostböden Russlands, Kanadas und Nordeuropas könnten auftauen, das Eis in der Antarktis schmelzen und das Regenwaldsterben sich fortsetzen, eine verheerende Kettenreaktion könnte in Gang gesetzt werden, die eine weltweite Heißzeit auslöst und verheerende Folgen hätte für alles Lebendige auf der Erde. Wir erleben erste Ausläufer dieser Entwicklung, aber die nach uns kommen, sie werden es in ganzer Härte zu spüren bekommen. Da kann einem die Hoffnung im Hals stecken bleiben, liebe Annelie, gut, dass Du das Thema auf so eindringliche Weise zu Gehör bringst.
Liebe Grüße - Marie

14. Aug 2018

Danke, liebe Marie, für Deinen zustimmenden Kommentar, der mich eben ein wenig aufgerichtet hat. Allzu leicht wiegen wir uns wieder in Sicherheit, wenn die Hitze abgeklungen ist, und manch einer wird im Nachhinein denken: Immer diese Übertreibungen. Aber jetzt muss etwas getan werden, sonst wird es zu spät sein. Ja, Du hast recht: Da kann einem die Hoffnung tatsächlich im Halse stecken bleiben. Die Abholzung der Regenwälder sollte sofort zum Stillstand kommen. Uns, hier in Europa und in vielen anderen Ländern, geht es doch gut. Wozu noch mehr "Fortschritt", der ja doch nur zu weiterer Vernichtung und zur Klimaverschlechterung führt.

Liebe Grüße, Annelie

15. Aug 2018

Es gibt kein Halten mehr, Annelie. Ein Umdenken ist zwar zu erkennen, aber bis Erfolge sichtbar werden, wird noch (zu) viel Wasser den Bach runtergehen.

Viele Grüße in deinen Abend
Soléa

14. Aug 2018

Das befürchte ich leider auch, liebe Soléa. Es ist eine Schmach. Lieben Dank für Deinen Kommentar.

Viele Grüße zu Dir nach Frankreich,
Annelie