8-strophiger Trauerslam

von Marie Mehrfeld
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Weihnachten steht vor der Tür,
sagt mir, was kann ich dafür,
hell erleuchtet manches Haus,
in mir sieht es düster aus,
klemme fest im schwarzen Loch,
leide unter schwerem Joch,
gestern noch die Abschiedsfeier,
nun sei tapfer, so die Leier,

ach, es tut uns schrecklich Leid,
hab Geduld, dich heilt die Zeit,
ganz gewiss, es ist sehr schmerzlich,
doch du schaffst es, bist so herzlich,
trägst dein Trauerkleid mit Würde,
nimm sie an, die schwere Bürde,
geh mit Fassung durch das Tal,
haltungslos – das wär’ fatal,

ich verstumme, will nicht klagen,
und ich möcht euch auch nicht sagen,
wie es aussieht in mir drinnen,
ohne Hoffnung, kein Entrinnen,
Herz und Haus sind ohne ihn
leer und dunkel, ohne Sinn,
keiner, der sich an mich schmiegt
und des Nachts dicht bei mir liegt,

keiner da, der mit mir leidet,
der mich auf dem Weg begleitet,
zärtlich mich am Nacken streichelt,
mir mit lieben Worten schmeichelt,
keiner, der Moral mir predigt,
den Papierkram auch erledigt,
die Gedichte redigiert,
auf dass man sich nicht blamiert,

die Minuten, Stunden schleichen
und Verzweiflung will nicht weichen,
fühl die Trauer ganz tief drinnen,
Tränen fließen nur nach innen,
sag mir nicht, das geht vorbei,
denn das – ist mir einerlei,
glaube kaum an Morgen mehr,
in mir ist es wüst und leer,

bin so schwach, das ist die Wahrheit,
das erkenne ich mit Klarheit –
einsam sein, ganz ohne Licht,
ist mir fremd, ich kann es nicht,
und doch spür ich tief in mir
blinkt ein Lebens Elixier,
schützt mich vor dem Untergang,
vor zu schnellem Abgesang,

nehm’ den Spiegel in die Hand,
schau mich an, ganz unverwandt,
sehe hinter dem Gewimmer
einen rosig zarten Schimmer,
hör ein Stimmchen, das da ruft –
überwinde diese Kluft,
brauchst dich nicht mehr zu verstecken,
sieh die Hände, die sich strecken,

greif danach und halt sie fest,
bieten dir ein warmes Nest,
und nun hab ich eine Bitte –
bleibt und stärkt mir meine Mitte,
gebt mir Zuversicht zurück
und ein ganz klein wenig Glück,
dass ich fasse neuen Mut,
dann wird es vielleicht noch gut …

14. Dezember 2019

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Interne Verweise

Kommentare

14. Dez 2019

Wenn Du an mich denkst, erinnere Dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest.

Ein guter Rat von Rilke.

HG Detmar

16. Dez 2019

Danke, Detmar, ein sehr guter Rat. Rilke hat viele Gedichte zum Thema Tod geschrieben. Mein liebstes schicke ich Dir hier: „Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten; sie fallen mit verneinender Gebärde. Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit. Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen. Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“ Ich grüße Dich herzlich zurück - Marie

15. Dez 2019

Auch wenn meine Trauer eine andere ist,
weiß ich, wie alleine Du bist.
Fühl Dich liebevoll umarmt
Britta

16. Dez 2019

Trauer macht einsam, das weiß ich, liebe Britta. Lass Dich auch lieb umarmen.

Marie

15. Dez 2019

Ich lese von Marie ein tolles Gedicht.
Sie spielt darin die Pechmarie,
das wiederum glaube ich nicht.
Es klagt eine Dame mit Hoch-Niveau,
Wo ist das Leid, die Schande. Wooo?
Sehr gerne gelesen, nicht alles geglaubt.
Dennoch ist es in meinen Augen eine grandiose Erzählung !!!
HG Olaf

16. Dez 2019

Lieber Olaf; es ist eine so ehrlich wie mir möglich beschriebene reale Situation; eine grandiose Erzählung soll es nicht sein, aber danke für Dein Lob!!

LG Marie

16. Dez 2019

Danke, Enrico, das drückst Du wunderbar aus, berührt mich und ist wahr – wäre die Trauer im Nu vorbei, so wäre die Liebe einerlei.

LG Marie