Unbekannt!

von Soléa P.
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Vorbei, alles mit einem Knall –
aus rauchverhangenem Himmel.
Schlug mit Karacho der Massentod ein,
splitternd explodierte –
zischte, machte alles klein
was sich, oder auch nicht …
bewegte.

Gekrümmt, sein Körper,
vor lauter Angst,
sein Herz hält er, in zerfetzter Hand.
Aus unzähligen Wunden sickert Leben,
nur die Mutter hätt' den Sohn noch erkannt –
nach ihr, er sich jetzt unendlich sehnte …
hilflos daliegend in tröpfelndem Blut –
spricht niemand mehr, ihn tröstend, gut zu,
vom Tapfersein, Sieg, Ehre, gar Frieden –
von der Zeit danach, endlich, mit den Lieben …

Atem bläht nicht mehr die Lungen,
die Brust ruht – es gibt kein Auf und Ab.
Sein Blick, bleibt stehen, Richtung Himmel
die Mundwinkel – völlig erschlafft …

Die Augen werden ihm geschlossen,
das Kinn gestützt mit einem Tuch.
Seine Erkennungsmarke ging verloren,
im Blechsarg –
ein unbekannter Soldat …

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Interne Verweise

Kommentare

16. Jan 2019

So viele starben - unbekannt und ohne Sinn ...
Und immer wieder Krieg - und immer wieder Neubeginn.

Danke für das gute Gedicht, liebe Soléa,

Liebe Grüße,
Annelie

16. Jan 2019

Ich danke dir, Annelie!
Gerade darin erkennt man doch, wie der Mensch tickt – nicht richtig!

Liebe Grüße
Soléa

16. Jan 2019

Oh je, so alt wird auf der Welt kein Mensch,
der mal genauer über das alles nachdenkt.

Liebe Grüße
Soléa

16. Jan 2019

Man kann es gar nicht drastisch genug ausdrücken, Soléa, wenn ich über Friedhöfe wandere, bleibe ich stets mit besonderer Trauer von den Grabfeldern der während zweier Weltkriege gefallenen oder im Bombenhagel getöteten Frauen, Männer, Kinder stehen, diese Sinnlosigkeit ALLER Kriege - und unsere Unfähigkeit, dazu zu lernen ...

liebe Grüße zu Dir - Marie

16. Jan 2019

Liebe Marie, „und unsere Unfähigkeit, dazu zu lernen …“ ist eine Schande.
Wir können denken und machen einen Fehler nach dem anderen, davon einer schlimmer als der andere. Tiere, die keinerlei Verstand besitzen, machen uns noch was vor. Wär's nicht so traurig, müsste ich lachen.

Sei lieb gegrüßt
Soléa