Lächeln

von marie mehrfeld
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Die Beine leicht aufgestellt, Arme hinter dem Kopf verschränkt liegt er nach durchwachter Nacht bleiern reglos auf taufeuchter Wiese. Sein müder Blick folgt den rasch dahin ziehenden grauweißen Wolken. Eine leichte Morgenbrise lässt die rosaroten Blüten des Rotdornbaumes über ihm wispern: Sie hat dich verlassen. Tränen fließen nicht mehr, doch auch nach langer Zeit bleiben seine Gedanken zu oft noch an ihrem zärtlichen Lächeln hängen. Auch das Verbrennen gemeinsamer Fotos hat es nicht zum Verschwinden gebracht. Sie ist unauslöschlich abgelegt in den Neuronennetzen meines Neokortex’, denkt er. Mach das Beste daraus, flüstert er sich zu, hör auf zu grübeln, es ist ja ihr Lächeln, das in mir bleibt und nicht ihre Wut. Verhaltend grinsend fällt ihm der freche Miró-Kunstdruck ein, den sie ihm geschenkt hat, er hängt noch immer über seinem Bett. Mit neuem Elan erhebt er sich, streckt die Arme befreit in die Luft, begrüßt den neuen Tag froh und eilt mit federnden Schritten davon.

Joan Miró wurde 1893 in Barcelona geboren und starb 1983 in Palma. Er war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Seine frühen Werke bauen auf katalanischer Volkskunst auf und sind vom Kubismus und Fauvismus beeinflusst. Etwa Mitte der 1920er Jahre änderte er seinen Malstil grundlegend. Unter dem Einfluss der damals in Paris vorherrschenden Kunstströmung des Dadaismus’ und Surrealismus’ wandte er sich vom gegenständlichen Malen ab und entwickelte eine ganz eigene und unverwechselbare Bildsprache. Seine magischen Symbole für Mond, Sterne, Vogel, Frau und Auge wurden die beherrschenden Elemente seiner Gemälde. Miró gehört zu den beliebtesten Vertretern der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts.

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Kommentare

Detmar Roberts
17. Apr 2017

Marie, als mir zum ersten Mal ein Mirobild begegnete, war ich entzückt. Viele Nachahmer und Massenausdrucke seiner Werke haben mir die Freude an diesem Maler etwas verdorben. Dein Prosagedicht gefällt mir, es strahlt Optimismus aus, den kann ich brauchen bei dem miesen Ostermontagswetter. Und - über den (Kunst-)Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten.
Grüße D.R.

17. Apr 2017

Stimmt, Detmar, über Geschmack lässt sich schwer streiten.
Mit Dank und Gruß - Marie

17. Apr 2017

Miro mag ich sehr, seine Leichtigkeit im Gestalten seiner tanzenden Figuren. Für mich ein Genuss. So empfinde ich auch Deinen Text.
LG Monika

17. Apr 2017

Danke, Monika. Was du mir schreibst, erfreut mich, wie stets, besonders.
Liebe Grüße, Marie

18. Apr 2017

Der Mirò war schon ein Genie,
Kubismus zwar nicht meine Gunst,
doch immerhin, war es auch Kunst!
Der Kopf eines katalanischen Bauern,
ist mir über ihn, in besonderer Erinnerung!

LG
Alfred

18. Apr 2017

Berühmt wurde er durch seine vom Dadaismus und Surealismus beeinflussten Bilder, diese fröhlichen schwebenden Vögel, Augen, Frauen. Den Kopf eines katalanischen Bauern kenne ich nicht.
LG Marie