Er – nach Yokohama ...

von Annelie Kelch
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Ein allerletzter Kuss im Morgengrau,
dann musst du gehn ...
nimm mit aufs Meer hinaus
die allerletzte Zärtlichkeit.
Nicht meine Tränen
und die Ungewissheit auf die Frage,
ob wir in diesem Leben uns je wiedersehn.

Die Welt, sie geht deshalb nicht unter -
wir sind nur eines von zig jungen Paaren.
Ich werde jeden Tag um kurz vor drei
am Hafen stehn - und auf die Fenster spähn,
dahinter wir noch gestern glücklich waren.

Und denk an mich, Chérie, wenn dir im
Kamon-yama-Park ein Blumenmädchen -
aus Yokohama schöne runde Augen macht:
mit einem Mund, rot, wie im Noge-Viertel die Laternen.
Ich teile meine Sehnsucht mit den hellsten Sternen.
Mein Herz begleitet dich bei Tag und auch bei Nacht.

Und komm bald wieder, anderenfalls verwelke ich -
wie eine Geisha nach der hundertzehnten Partynacht.
Verstummen würden ihr Gesang
und alle anderen schönen Künste,
darin sie es zu einem guten Ruf gebracht.
Ach übrigens: Ich lerne momentan ...
die Teezeremonie – in meinem Kleiderschrank
hängt, ungeduldig schon, ein neuer Kimono -
von edlem Stoff und mit Motiven drauf aus Shakotan*¹.

Mit Ikebana, Liebster, ich seit Wochen -
vergnügt und heiter jeden neuen Tag beginne;
der Duft der zarten Blüten macht mich froh,
betäubt die Sehnsucht mir und auch die Sinne.
Wann sticht dein Schiff in See? - Ich warte so ...
lch warte längst auf dich - draußen am Ballinkai …
Du weißt: In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt ...*² - Ich warte und ich hoffe -
auf deine Wiederkehr zum Frühlingsfest im Mai.

Geishas in Japan - sind Personen der Künste, Künstlerinnen, die jahrelang in der Kunst des Musizierens, des Tanzens, der Kalligrafie, des Ikebana und in der gepflegten Konservation ausgebildet wurden. Auch die Teezeremonie müssen Geishas perfekt durchführen können. Sie arbeiten in Teehäusern und traditionellen Restaurants, tragen kostbare Kimonos, Holzsandalen und hochgesteckte Frisuren. Häufig sind sie bei einer Agentur angestellt, es gibt aber auch selbständige Geishas, die private Geisha-Partys geben, die teuer und exclusiv und ein wichtiger Bestandteil japanischen Lebens sind.
*1 = eine Halbinsel Japans
*2= die letzten beiden Zeilen des ersten Verses eines Gedichts (Stufen) von Hermann Hesse: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben ...
geschrieben am 16.07.2017 zu Lübeck

Quelle: pixabay; ich habe es etwas bearbeitet, der japanische Schriftzug lautet: Geisha
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Kommentare

17. Jul 2017

Gedicht, Beschreibung und Bild -
Fein haben sie den Zweck erfüllt!
(Krause meint, "Ikebana" sei ein Möbelhaus ...)
[Die sprang ins Bällebad - da flogen alle Bälle raus ...]

LG Axel

17. Jul 2017

Dank, Axel, dir, für deinen Kommentar,
ich kenne leider nur ein Bällehaus, das ich nie vorher sah:
Es stand auf einer Fähre, die uns trug übern Kanal
nach Engeland; es war zwar schlicht, doch keineswegs banal.
Mein Jüngster tobte bisschen drin herum, auf Spaß versessen;
uns anderen dreien ging es schlecht bei diesem Sturm:
Wir hingen auf den Deckstühlen wie 'nen toter Angelwurm.
Uns war zum Ausspeien, was wir zuvor in France gegessen.

LG Annelie

17. Jul 2017

Ein ungewöhnliches Thema sensibel bedichtet; ich staune über deine Vielfalt, Annelie.

Liebe Grüße - Marie

17. Jul 2017

Danke, liebe Marie. Mich interessiert dieses Land - Japan - die stillen Zen-Gärten, schöne Tempel, Teehäuser, Geishas, märchenhaft, wenn ich in meinem Baedeker blättere. Das Essen mit Stäbchen muss ich allerdings noch üben. Man kann leider nicht alles lernen, aber die Sprache mit den schönen Buchstaben ... das wäre es für mich. Für heute sage ich zu dir: sayonara (Auf Wiedersehen), sofern du nicht noch einen Beitrag einstellen solltest, den ich dann, sobald ich aus der Stadt zurück bin, mit Freuden lesen würde.
Arigato gozaimasu (danke schön) für deinen lieben Kommentar.

Liebe Grüße,
あいさつ [aisatsu] = Gruß,

Annelie

17. Jul 2017

Ja, auch ich staune über Deine Gedankenfülle, liebe Annelie. Die ist so bunt und zieht unweigerlich hinein in Deinen Kosmos. Toll!

LG Monika

17. Jul 2017

Danke, liebe Monika, für deinen Kommentar. Das kommt wohl daher, dass ich so viel lese und mir nachts um 24:00 Uhr alles im Kopf herumschwirrt. Morgens, so um 5:00 Uhr, 5:30 Uhr, muss dann einiges auf das geduldige Papier, das du so schön heut' beschrieben hast.

Liebe Grüße.
Annelie

17. Jul 2017

Oh, das ist aber ein ganz schönes Pensum, dass du dir da auferlegst! Aber auch ich muss sagen, bewundernswerte Fülle.
Im Hintergrund ertönt ganz sanft Madame Butterfly.

Viele Grüsse

Jürgen

17. Jul 2017

Danke, lieber Jürgen, für deinen poetischen Kommentar. Aber es ist nicht ganz so, wie du denkst: ES erlegt sich mir auf. - Ich kann an keinem Buch vorübergehen, das ich noch nicht kenne. Bücher ziehen mich magisch an. Schon seit der Kindheit. Lesen ist für mich keine Pflicht, sondern ein Vergnügen. Und überall finde ich preiswerte Lektüre - nicht allein im Internet, auch bei Oxfam gibt es u.a. ganz, ganz alte Bücher preiswert zu kaufen, die von außen sehr aufwendig und schön gestaltet sind; ich kaufe viele Bücher dort und tue ganz nebenbei auch noch etwas Gutes.

Liebe Grüße zu dir nach Ibiza,
Annelie

17. Jul 2017

Bin ganz verzaubert von Deinen Zeilen
und möchte jetzt gerade, in Japan weilen...

Liebe Grüße
Soléa

18. Jul 2017

Liebe Soléa, herzlichen Dank für deine lieben Zeilen. Mir geht es in dieser Hinsicht genauso wie dir.

Ganz liebe Grüße nach France,
Annelie

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