Gütig auf den Fersen

Bild von Alf Glocker
Mitglied

Ein Tag, der ganz von Wichtigkeit umfangen,
erglänzt zuerst mit diesem Morgenstern,
der vorgibt, daß er dir ein Zeichen sei –
denn in dir leuchtet das Verlangen
(es ist dir nicht Bestandteil sondern Kern),
und doch: am Abend ist der Spuk vorbei!

Dann siehst du, daß es nur Vergehen gibt
und einfach keinen Sinn in deinen Mühen!
Doch du wirst dir einen irgendwelchen nennen,
an dem dein Herz hängt, der geliebt,
und frech ist, um sich fadengleich zu ziehen,
in allem was du meinst zu haben oder kennen!

Daraus spricht nichts als nur der pure Trost,
den du dir aufbaust um nicht zu verkümmern.
Und das ist gut, denn in der Zukunft lauern
die Gottesmühlen, die das schnell erbost
ins Auge fassen, ja rasant zertrümmern,
was du gemacht hast – nichts kann dauern!

Für eine Ewigkeit, in deren wunderbarem Schoß,
du aufgehoben bist, als ein Gespenst der Nacht,
sind weder deine Träume, noch die Tat,
die du vollbringt, und sei sie noch so groß.
Sie ist nur der Vergänglichkeit gemacht,
die deinen Geist nicht eingerechnet hat!

Auch der verfliegt – so ist er nie gewesen!
Es darf nicht sein, daß er beständig ist,
sonst gäb‘ es keine weiteren Universen!
Die Sterblichkeit bezeichnet alle Lebewesen
und allen Ruhm, den man auch leicht vergisst.
Der Tod ist allem immer gütig auf den Fersen!

Veröffentlicht / Quelle: 
Auf anderen Webseiten
Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

17. Sep 2015

Sehr,sehr starke Worte,liebe Alf!
Liebe Grüße,
Angélique

18. Sep 2015

Auf Fersen gütig nicht allein -
Auch Verse waren gut und rein!

LG Axel

19. Sep 2015

"Reichlich gehaltvolle Kost" - ein wirklich gelungenes Gedicht, Alf!
Inhaltlich und auch "äußerlich" gekonnt.
Bin beeindruckt :).
Viele Grüße,
Corinna

20. Sep 2015

Ich danke Euch allen!

LG Alf