Sehnsucht ist ein starker Trieb

Bild von Willi Grigor
Bibliothek, Mitglied

Auf felsigkarger Höh er steht,
die Wand fällt steil hinab.
Der Wind ihm kühl ins Antlitz weht,
der Aar setzt an, hebt ab.

Er folgt des Adlers Flug gebannt,
sein Schweben nach dem Fall.
Der Sturzflug längs der steilen Wand,
stets ohne Flugunfall.

Er hat es oft sich vorgestellt
zu sein wie er, der Aar,
wie er mit ihm zusammen fällt,
ein schwebend Freundespaar.

Die Sehnsucht ist ein starker Trieb:
"Ich hab noch nie geschwebt!"
Ihm keine andre Lösung blieb:
"Ich hab doch nie gelebt!"

Auf felsigkarger Höh er steht
und schaut die Wand hinab.
Sekunden fühlt er, dass er lebt..
Dann fällt er in sein Grab.

© Willi Grigor, 2016
Aus dem Leben

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Interne Verweise

Kommentare

17. Sep 2016

... und wieder einmal: dieses exakte, melodische Versmaß ... ein Kunstlied, eine Ballade in Worten ... Harmonie pur!
Sei herzlich gegrüßt vom Alfred

18. Sep 2016

Da liegen wir in der Art wie wir schreiben nicht so weit auseinander, Alfred.
Schönen Sonntag noch.

Willi