Ansprache einer todtraurigen Braut (kurz vor der Hochzeit)

von Annelie Kelch
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Ich lese gern Gedanken, ganz besonders deine,
dein Mienenspiel sagt mir, woran ich bin.
Das ist der Grund, weshalb ich manchmal weine
und längst vermute: Das mit uns hat keinen Sinn.

Doch wenn du fort bist, fühl ich mich alleine,
mir ist zumute dann, als regne es in alle Zimmer,
als schleiche sich ums Haus ein eisig kalter Wind.
Dann rede ich mir ein, ich liebte dich noch immer
und dass wir mehr als nur ein Brautpaar sind.

Du wolltest nicht mehr von mir lassen,
obwohl ich oft genug dir zu verstehen gab,
dass wir nicht wirklich zueinander passen
und dass ich jemanden in meinem Herzen hab,

der mich nicht liebt, und andere Wege geht als ich.
Ich hab gesagt: 'Du wirst mich eines Tages hassen.'
Du aber wolltest nimmer von mir lassen …
nun schiebe bitte nicht die ganze Schuld auf mich!

geschrieben am 23.02.2017 - im Morgengrau

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Kommentare

23. Feb 2017

Oh....; wie tief hier dein Einfühlen ist.
Sehr stark, dein Text. Ich spüre regelrecht den Konflikt und die Spannung: mir stehen die Haare....
Es macht mich sehr traurig, weil es so lebensnah ist, und so ehrlich.
Alles Gute Dir,
Heinz

24. Feb 2017

Oh, dämpfe ein klein wenig dein wirklich tief empfundenes Mitgefühl, lieber Heinz. Die Zeit heilt ja bekanntlich (fast) alle Wunden, vernarben irgendwann und werden hoffentlich nicht wieder aufgerissen.

Ganz liebe Grüße
Annelie