Auf dem See

von Robert K. Staege
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Ein Knabe ruderte vom Strand
des abends hin zur Felsenwand,
als plötzlich sich ein Wind erregte
und Luft und Wasser gleich bewegte.

Es schlugen an des Knaben Kahn
gar wunderlich die Wellen an.
Bald fasste eine weiße Hand
zart schimmernd an des Nachens Wand.

Ein glühend Aug‘, die Haut so weiß,
sie machten ihm das Herze heiß,
als hätte man es ihm vertauscht.
Der ganze Sinn war ihm berauscht,

als ihn dort aus den Wassern tief
mit süßem Schalle jemand rief.
An Sinnen und am Herzen krank
er in der kalten Flut versank.

Das leere Boot man morgens fand,
es trieb am Fuß der Felsenwand.
Man suchte lange - viele Stunden -
und hat den Knaben nie gefunden.

Nur manchmal, wenn die Nebel dringen,
da hört man hohl und traurig klingen,
wie eine zarte Stimm‘ klagt an:
O Nixe, was hast Du getan!

Geschrieben am 23. Juni 2019

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