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Mein Rabe

Bild von noé
Bibliothek

Als Einzelkämpferin geboren,
ins Abseits von kleinauf gestellt,
wirkte ich irgendwie verloren
und fehl am Platz in dieser Welt.

Denn diese Welt der Überflieger,
die konnte ich nur schwer verstehn;
still grübelte ich da doch lieber,
beobachtend war viel zu sehn.

So lebte ich mein eignes Leben
für mich, in meiner Zellmembran,
war zugewandt, bereit zu geben,
und kam doch nie bei jemand an.

Für sie war ich wohl zu „exotisch“,
zu lästig, vielleicht unbequem,
möglich, es schien ihnen idiotisch,
ein wenig auf mich einzugehn.

Ich war ein Selbstbedienungsladen,
oft ausgeraubt. Tür zugemacht.
Ich hab gelernt. Zu meinen Gaben
gehörte stets Gedankenkraft.

Die andern sind für mich die Trauben,
sind mir zu hoch, zu säuerlich;
ich will ihnen jetzt nichts mehr glauben.

Mein Rabe – dem vertraue ich.

© noé/2017

"Weißer Rabe" (Speckstein) © noé/1992

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Interne Verweise

Kommentare

23. Jul 2017

Sehr schön formuliert! Zum Bild kann ich nur sagen, es gibt verständlich auch Albino - Raben..wie viele sicher selbst schon wissen!

LG D.R.

23. Jul 2017

Selbst Äsop hätte sich gefreut ;-)

LG Micha

23. Jul 2017

Schwarze Schafe, weiße Raben -
Sie haben oft spezielle Gaben!

LG Axel

23. Jul 2017

Sehr schön beschrieben. Und irgendwie erkenne ich mich selbst auch wieder in deinen Zeilen. So wird es wahrscheinlich einigen hier gehen. :)

LG Ben

23. Jul 2017

Eindrucksvolles Gedicht, eindrucksvoller Rabe, * noé *, die zum Ausdruck gebrachten Gedanken und Gefühle teile ich.

LG Marie