Sommerblues

von Annelie Kelch
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Auf der versteinerten Tränenspur
entschwundener Jahre, fahndet die
gescheiterte Seele nach dem göttlichen Ursprung.
Wiederkehrend jedoch, im unverdrossenen
Licht der Sonne, erobert die Trägheit des
Sommers dein Herz und nistet sich ein,
ungefragt, wie das Schicksal des toten Vogels
im Mai, am Rande des geächteten Pfads,
der längst die unauslöschliche Spur
des Julis trug.

Nicht einen einzigen Schritt voran
bringen dich deine lebensmüden Gedanken,
die träge flackern und ziellos verglimmen
wie ein fader Rest Aschenglut -
derweil die unreife Flamme der Hoffnung
unbeirrt durch das Unterholz züngelt
und Seelen in Brand setzt.

Im Glashaus, hinter traumfernen Scheiben,
erhebt sich die unversöhnliche Hand und wirft
den ersten Stein. - Aber daheim harrt schon
ein kühles Wintergrab … und wartet - wartet
und schweigt – wie einst deiner Lippen Fülle
schwieg zur geselligen Stunde, als der Sturm
in das Dachzimmter türmte und während der
unvergesslichen Nacht im gottverlassenen,
hundskalten Schilfrohr.

Sommertraum "Durch diese hohle Gasse muss er kommen ..." Foto und Bearbeitung: Annelie Kelch
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Kommentare

25. Jun 2017

Poesie, die schön sich türmt -
Zugleich in starken Bildern stürmt!
(Der BLAUE Elefant hat was von Krause -
Die macht grad Bier- statt Kaffee-Pause ...)

LG Axel

25. Jun 2017

Dank, Axel, dir für deinen wunderbaren Kommentar:
Der blaue Elefant leider nicht größer zu bekommen war.
Ich hoffe, Krause ist zu putzen bei dir in der Lage noch
und nicht nur blau herumzugammeln wie ein Wetterloch.

LG Annelie

25. Jun 2017

Gedanken , die zum Nachdenken anregen

LG micha

25. Jun 2017

Danke, Micha ... es waren eine alte, hartherzige Frau, ein toter Vogel, den ich auf einem einsamen Pfad in einer Blutlache fand und beweint habe, nachdem mir vorher dort ein sehr merkwürdiger Mann begegnet war, eine Nacht, die schrecklich war, ein unglaubliches Geschwafel und eine Flucht aus Angst, die mich nie wieder packen wird, die mich zu diesem traurigen Sommergedicht angeregt haben - alles - gottlob - Vergangenheit!

Liebe Grüße,
Annelie

25. Jun 2017

Annelie, dein poetisches melancholisches Gedicht berührt mich, macht mich auch traurig, erzählt es von einem unvergesslichen Erlebnis in der Kindheit? Deutet „Calypso“ auf die Nymphe in der griechischen Mythologie hin oder auf den karibischen Tanz? Für mich ist dein Gedicht eher ein Blues. Ein Sommerblues.

Liebe Grüße, Marie

25. Jun 2017

Danke, liebe Marie, ich werde auf deine Anregung hin den Titel ändern. Gemeint hatte ich allerdings den karibischen Tanz; aber der ist wohl eher lustig. Die Erlebnisse rühren von Kindheit und Erwachsensein her, sind aber längst Vergangenheit, deshalb sollst du nicht mehr traurig sein. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar

und noch einen wunderschönen Sonntag,
Annelie

01. Jul 2017

Lyrisch und besonders – z. B.
"wie ein fader Rest Aschenglut -
derweil die unreife Flamme der Hoffnung
unbeirrt durch das Unterholz züngelt
und Seelen in Brand setzt."

01. Jul 2017

Danke, noé, für deinen Kommentar, demzufolge ich davon ausgehe, dass dir das Gedicht ein bisschen gefallen hat.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Annelie

01. Jul 2017

Ein bisschen?!
Du bist gut!
;o))

01. Jul 2017

Hallo noé, ich freue mich, dass dir der "Sommerblues" (höchstwahrscheinlich) gut gefallen hat. Er ist schon speziell - wie einige meiner Gedichte; deshalb erwarte ich auch nicht ständig Lob von euch.

Liebe Grüße,
Annelie