Dann wird es gut

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Hör, wie dein Herz laut klopft im Trommelregen der
Trauer, der Angst vor dem Einsamsein und dir den
Schlaf stiehlt; die Jahre kannst du nicht umblättern
wie ein abgegriffenes Buch, denn die Seiten deines
Lebens kleben fest aneinander, die Eselsohren sind
nicht mehr zu glätten; doch sie sind schön in ihrer

Zerbrechlichkeit, schau genau hin; du weißt, was
du in schwarzer Tinte geschrieben hast auf reines
Papier, es ist unlöschbar und unumkehrbar; nimm
es an; überlass die Erinnerungen dem Abendwind,
auf dass er sie wiegend schüttelt und das Dunkele
hell färbt und die zwischen Hilferuf und Jubel ein-

geklemmten Gedanken und die Gefühle der Schuld
und der Ungeduld verjagt, die nicht messbar sind;
was war, das ist dir in wechselnden Bildern unter
die Haut geritzt und unter die Nägel deiner Finger;
für immer; lass es leuchten, lass es brennen, es heilt;
was bleibt, ist Liebe; zu mir; zu euch; zum Leben

und auch zu dir selbst; du hast die Qual der Wahl;
verjage, was dir übel aufstößt und nimm summend
an, was dich froh macht mit dem Wissen um meine,
deine und eure Endlichkeit; nimm dir Zeit und sei
geduldig mit dir; dann wird es gut, wenn auch auf
andere Weise; und vertraue, dass du gehalten wirst.

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Kommentare

27. Aug 2020

In Frieden sein, mit sich und der Welt,
Ist nicht zu bezahlen, mit keinem Geld,
Denn dann rankt Freudvolles aus allen Dingen,
Gedanken und Handeln der Liebe entspringen. :)

Mit sich und der Welt im Reinen sein, ist ein kostbarer Schatz, der die Liebe frei fließen lässt und das Leben als das erkennt, was es ist: kostbar und schön.
...so meine Gedanken zu Deinen wunderbaren Zeilen, liebe Marie. :)

Herzliche Grüße
Ella

28. Aug 2020

Ach liebe Ella, Du schreibst wieder so etwas Weises und Wahres … danke. Ja, das Leben ist kostbar und schön. Ich gebe aber zu, leider bin ich nicht immer und im Zeichen von Corona schon gar nicht - dauernd im Frieden mit mir und der Welt, sondern eher zutiefst verunsichert. Aber ich suche; vielleicht finde ich vorübergehend Trost darin, dass ich meine Gedichte fast immer versöhnlich und friedlich enden lasse.

Sei herzlich gegrüßt! Marie

27. Aug 2020

Das ist so "Mehrfeld" :)
Abgegriffen im Jahrbuch einsamer Trauer die geplätteten Eselsohren
gefunden wie blaue Blumen aus schwarzflächigem Tintenguss
ausgeschüttet über den in Abendwinden brennenden Feldern
der Endlichkeit darin lebendiges Wissen um Zeit und
Duldsamkeit aufgenommen werde, dieses laute Klopfen.

Herzliche Herbstfarbengrüße
Yvonne

28. Aug 2020

Wie Du es in Deiner unnachahmlich yvonnigen Art wieder einmal be- und umschreibst, klingt es viel aus- und eindrucksvoller, ich schicke die allerherzlichsten Herbstfarbengrüße mit Dank zu Dir zurück.

Marie

28. Aug 2020

Vielen lieben Dank, doch ist es mitnichten aus- oder eindrucksvoller, sondern eine Hommage auf deine in starke Verse gepackten Gedanken!

Ein schönes erstes Herbstwochenende und liebe Grüße dazu

Yvonne

27. Aug 2020

Da kommt die eigene Verletzlichkeit zum Vorschein, sehr fein beobachtet, liebe Marie, und so subtil wie zu-treffend beschrieben.

28. Aug 2020

Es stimmt, die eigene Verletzlichkeit drängt sich in den Vordergrund in dieser Schattenzeit – danke für Deine Worte, liebe * noé *

Marie

27. Aug 2020

Kein Ende ohne Anfang. Nur die HÖLLE brennt auf ewig. Welch ein Wahnsinn !
HG Olaf

28. Aug 2020

Du drückst es wieder auf besondere Weise aus, lieber Olaf, danke dafür; ja, die HÖLLE, die breiten wir uns selber … und das ist wirklich ein Wahnsinn.

HG zu Dir - Marie

28. Aug 2020

Ganz wunderbar zum Ausdruck gebracht - zart und mit so unendlich viel Gefühl!!!

Herzlich liebe Grüße
Uschi

28. Aug 2020

Freude über Deine lieben Worte, Uschi, sei herzlich zurück gegrüßt!!!

Marie