wär ich ein Fluss

von marie mehrfeld
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wär ich ein Fluss, zög es mich fort zu den fernsten tiefsten Meeren,
versinken wollt ich im klaren Blau, das es bald nicht mehr gibt, noch
will ich leben, besitzlos auf endloser Wanderschaft, im Schatten der

Erinnerung, mich auflösen, möchte ich, ohne Befehl, unsichtbar sein,
Gedanken fangen, bevor sie den Mund verlassen, und auch ausruhen
von mir, und Dir zuschauen dabei, wie Du mich zärtlich mit den Augen

umfängst, und ich Dich, am hellen Frühlingstag, summend am Bach
sitzend, die Füße im glasklaren Wasser baumeln lassen über hellen
Kieseln, Hand in Hand, dann und wann im Dunkel des Winters suchen

danach, was wahrhaftig ist, verengte Blicke der Angst, ob das Ich das
Wir nun verdrängt? der Ruf nach Hilfe im schnellen Wechsel des Jahrs
verklungen, außer mir bin ich, bist Du, die Welt verliert ihren Atem,

hinsehen, unaufhaltsam zieht die tickende Zeit ihre Bahn, Uhren rasen
im Rhythmus des Pulses, engellos klirrende Lieder, scheppern uns an
den Ohren vorbei, Sterne ermattet am eigenem Scheinen, nun begreifen,

was das Neue Jahr will, die Erde, blauer Planet, Wunder an Schönheit,
so unersetzbar, verletzbar, und ich, muss ich? ich muss! mit Dir, mehr
lieben, viel mehr hoffen, handeln, und die Hand von den Augen nehmen

Fotos kostenlos, stark verfremdet

Buchempfehlung:

92 Seiten / Taschenbuch
EUR 9,50

Interne Verweise

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Kommentare

27. Dez 2018

Die Natur um Hilfe schreit,
sie braucht unsre Achtsamkeit …

Mit Dank und Gruß - Marie

27. Dez 2018

Eindrücklich starke Bilder
eindrücklich starker Subtext im Bild -
ein Plädoyer lebendig bleibender Achtsam-
und Behutsamkeit im Umgang mit uns
und unserer Um-WELT!

LG Yvonne

27. Dez 2018

Danke, liebe Marie, das ist wirklich ein sehr gutes Gedicht, das ich beim Lesen sehr genossen und liebgewonnen habe.

Liebe Grüße,
Annelie

27. Dez 2018

Das klingt gut, Annelie, danke; das Thema beschäftigt alle denkenden, mitfühlenden Menschen, man steht ihm hilflos gegenüber, weil die anstehenden Aufgaben so gigantisch und unüberschaubar sind; die folgenden Generationen werden ihr Urteil über uns abgeben – ich fürchte, es wird verheerend ausfallen …

Liebe Grüße zu Dir - Marie

27. Dez 2018

Liebe Marie, die Hand von den Augen nehmen ist wichtig und richtig, auch bei allen Blauäugigen. Ich mach meins so gut ich kann, vielleicht färbt es ab und doch halte ich mir trotz allem immer öfter die Augen zu, in der Hoffnung, wenn ich die Hände wieder wegnehme, erkenne ich eine klitzekleine Veränderung, aber wie es aussieht, müssen die verdeckten Zeitabschnitte, länger sein …

Gut, dass du immer wieder auf deine Art, darauf aufmerksam machst …
Viele liebe Grüße
Soléa

29. Dez 2018

Danke; mir geht es ähnlich wie Dir, wenn ich die Hände von den Augen nehme, hoffe ich immer wieder, es hat sich etwas gebessert; meistens vergeblich, und auch ich verrichte meine Dinge nur, so gut es geht - und habe dabei oft das Gefühl, es genügt nicht ...

liebe Soléa, komm gut rüber ins's Neue Jahr und sei herzlich gegrüßt - Marie

08. Jan 2019

Was soll ich sagen, wenn ein Text so drängt?
Nicht nur mit den Bildern der Zeilen, sondern mit Gefühlen und Geistestiefe Erstaunen hevorrufen über diese Mehrfeldin. Und nicht nur in den Zeilen, sondern zwischen den Zeilen steckt noch viel mehr, was vorher wie mit einem Mantel zugedeckt ruhte, kommt aus Knopflöchern und Nähten hervor. Was soll ich sagen, wenn ein Text so drängt?
Vielleicht nur Danke und LG und Uwe?