Kälte, Frost, erstarrte Leichen

von Willi Grigor
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Ob ich mag den Januar?
Ich hab ihn nie gemocht!
In jenem kalten Januar
man um sein Leben focht.

Quer durch Polen auf der Flucht
immer Richtung Westen
haben wir das Heil gesucht -
Angst und Rache herrschten.

Mutter! Kinder! Wo ist Vater?
Onkel, Opa sind schon tot.
Schüsse, Bomben, Kriegstheater,
Laute, Schreie, Not.

Kälte, Frost, erstarrte Leichen,
- vorwärts, vorwärts, geh doch, geh! -
Hunger, Tränen und dergleichen
steckten tief im Schnee.

Januar, ich mag dich nicht,
du hast uns schwer gequält.
Doch wer leidet, und nicht bricht,
ist - wer glaubt´s? - gestählt.

Die "Stahlkur", vorbei im Mai,
wer durchkam hatte Glück.
Für viele war das einerlei,
sie blieben tot zurück.

Endlich eine Bleibe dann
zu des Krieges Ausklang.
Nur ganz zögernd er begann:
Des neuen Lebens Anfang.

Januar, ich mag dich nicht,
du bist aus Eis gemacht.
Du liebst das scheue Tageslicht,
die dunkle, kalte Nacht.

© Willi Grigor, 2017
Aus dem Leben

Mitte Januar 1945 begann die überstürzte, unorganisierte Flucht/Vertreibung der Deutschen aus Polen. Im Mai fanden wir ein neues Zuhause im Bauerndorf Segringen bei Dinkelsbühl. Hier verbrachte ich bis 1951 eine schöne Kindheit. Dann ging es nach Düsseldorf.. usw und noch weiter.

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Kommentare

28. Jan 2017

Die Kälte.die in einem Jahr,
mich regelrecht erdrückt.
die hat mich, wenn sie nicht zu sehr,
mich auch nicht groß beglückt!
Ich mag die Wärme und die Luft,
sie kann mich animieren,
und auch mein Mantel - dicke Kluft,
geht mir nicht an die Nieren !

LG
Alfred

28. Jan 2017

Dass eine riesige Flucht-/Vertreibungswelle mit vielen Toten über Polen schwappte ist unbestritten.
Nach den An-/Übergriffen auf Polen und Russland kann ich für deren Rache ein gewisses Verständnis aufbringen, obwohl wir betroffen waren.
In meinem Text mache ich - außer an den Januar - keine Schuldzuweisungen.

LG
Willi

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