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Bald schon sinkt das sanfte Frühlingsfieber
und entflieht wie jähes Glück aus einer Nacht.
Sommer eilt herbei, singt lebhaftere Lieder,
doch auch seine heiße Glut ist bald vollbracht.

Bald schon werden auch die künftigen Zeiten
unsrer Welt vergangen sein und ach -, so fern.
Lange hofften wir, vergötterten manch hellen Stern,
sahen Glück und Leid an uns vorübergleiten.

Am Uferhang, mein Lieb', die schöne alte Weide
hat sich in tiefer Trauer über unsren Fluss gesenkt,
als du zu meinem und auch deinem großen Leide
dem falschen Mädel einen goldnen Ring geschenkt.

heute, am frühen Morgen, geschrieben, 28.04.2017

Foto: Ursprung: Pixabay; Bearbeitung und Text: Annelie Kelch
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Kommentare

28. Apr 2017

Dank, lieber Axel, sehr sensibel ist dein Kommentar,
als spräche aus dir Bertha Krause - endlich wahr!

LG Annelie

28. Apr 2017

Liebe Annelie,
als hättest Du das Gedicht im Jahre 1780 geschrieben.
Kam mir so in den Sinn, bitte nicht ernst nehmen !!!
Ein Messen an den Höchsten unserer Zunft.
Ich mag Deinen Vers und habe ihn
2 x gelesen.
Vortrefflich und literarisch wertvoll.
LG aus Dänemark,
Volker

28. Apr 2017

Du wirst es nicht glauben, Volker, aber ich habe mich beim Schreiben auch gefühlt, als befände ich mich im achtzehnten Jahrhundert. Ich wollte nämlich auch mal so ein ganz klein bisschen schreiben wie die Droste, zwar schon 1797 geboren wurde, vermutlich aber mit drei Jahren - aller Genialität zum Trotz - noch nicht am Schreibtisch gesessen oder am Stehpult gestanden (wie G.G.; Günter Grass). Aber ich glaube, die Droste war auch weniger sentimental als ich. Ich danke dir für deinen Kommentar und wundere mich ein bisschen, dass du noch Zeit zum Lesen und Kommentieren hast, da es doch in Dänemark soooo viel zu entdecken gibt.

en hyggelig aften,
LG Annelie

28. Apr 2017

"Als du zu meinem und auch deinem großen Leide dem falschen Mädel einen goldnen Ring geschenkt" ... das ist immer aktuell. Ich schließe mich Vormeinungen an und fühle mich erfreut in frühere Zeiten versetzt ...
Liebe Grüße, Marie

29. Apr 2017

Hallo, liebe Marie, danke für deinen Kommentar. Wäre das nicht toll, wenn wir ab und zu mal schrieben in jenem Stil, wie Schriftstellerinnen früher geschrieben haben? Ab und zu Droste, Ricarda Huch, Annette Kolb, Gertrud von le Fort oder Bettine von Arnim u.a. lesen, die ich ohnehin gerne lese. Ich habe eben etwas in meinem Autorenbuch gesucht, und dabei ist mir aufgefallen, wie wenig Mädels darin vertreten sind, was doch sehr schade ist. Ich versetze dich gerne mal in frühere Zeiten, so ist es nicht ...

Liebe Grüße
Annelie

29. Apr 2017

Hallo, liebe noé,

das ist die richtige Einstellung, zu der man jedoch leider erst im etwas reiferen Alter gelangt.

Liebe Grüße und ein schönes Wochende,
Annelie