Zwei Hände

von marie mehrfeld
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Ihre Hand und seine Hand, sie werfen
Schatten an die Wand, so wird ein Kind
zu Bett gebracht, es wundert sich,

es staunt und lacht, siehst Du den Wolf
und auch den Schwan, den Fuchs
und selbst den stolzen Hahn?

Seine Handwerkerhände mit bläulichen
Adern, die mag sie eben, die schaut sie
sich an, sie sprechen Bände, erzählen
sein Leben,

es war bewegt und sehr lang, er hat mit den
Händen Vieles erschaffen, sie freut sich,
dass sie noch nicht erschlaffen,

seine Hände können Geschichten erzählen,
sie können Schweres heben und tragen,
doch konnten sie auch schlagen und quälen,
sich zornig ballen, sich ganz versagen,

seine Hände können nehmen und geben,
sie kennen das Schießen und den Tod,
diese Hände erklären sein ganzes Wesen,

da waren Verzweiflung und Dunkelheit,
seine Hände haben Leben genommen,
dazu ist es im großen Krieg gekommen,

sie legt ihre zarte kleine Hand in die großen,
in seine, voll Vertrauen, denn sie weiß,
dass sie schützen, darauf kann sie bauen,

ihre Hände sind anders als seine ganz
ohne Schwielen, beweglicher sind sie,
können sich biegen im Stehen im Liegen,
sie möchten gestreichelt werden, spielen,

ihre Hände geben ihm Rätsel auf, können
Fragen stellen, sein Gemüt erhellen,

noch nicht alt sind sie und keinesfalls schwach,
ihre Hände sind stärker jetzt als seine,
er hält sie sehr fest, denn er weiß genau,
sie werden ihn tragen - in schlechten Tagen ...

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Interne Verweise

Kommentare

28. Dez 2016

Sollte ich dir noch keinen guten Übergang ins nächste Jahr gewünscht haben, so hole ich es hiermit nach.
LG Marie

18. Okt 2018

Liebe Marie, habe eben dieses Gedicht gefunden und finde es wunderbar und generationenübergreifend lebensweise! Es berührt mich darüber hinaus besonders, weil ich anläßlich des Ablebens meines Vaters vor knapp 10 Jahren ein Gedicht über seine Hände verfaßte - angesichts der Umstände allerdings ohne die Geborgenheit, die aus Deinen Zeilen strahlt:
https://www.literatpro.de/gedicht/170915/seine-haende
Liebe Grüße,
Walter