Lob der Stubenfliege

von Marie Mehrfeld
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Du Stubenfliege bist eine Plage, du nervst mich wahrlich in jeder Lage, wirst Musca genannt und surrst um mich rum, das ärgert mich sehr, denn hältst mich für dumm, selbst, wenn ich liege, kommst du geflogen, das macht mich wütend, ganz ungelogen,

wenn ich dich kriege, erlebst du was, du dämliche Fliege, ich hab einen Brass, da hockst du wieder im Wurstenbrot, jetzt nehm’ ich die Klatsche und schlage dich tot, ich bin wie verrückt und rufe, pass auf, gleich bist du zerdrückt, und dann gehst du drauf,

hör jetzt auf mit dem Quatsch, sonst wirst du zu Matsch, bild dir nur nichts ein, bald bin ich befreit von dir, das muss sein, ich keife dich an, du blödes Vieh, doch Mann o Mann, dich kriege ich nie, du schwarzes Insekt, denn dir fehlt der Respekt,

doch bin ich ja, so ganz im Prinzip, keine Mörderin, sondern eher lieb, also schau ich dich mir mal genauer an, fang bei den zarten Flügelchen an, die Facettenaugen betrachte ich mir und ich stelle fest – du bist schön, du Tier! Teil der Schöpfung bist du, genau wie ich,

ach verzeih mir doch, ich war ungeduldig, zwar bist du mir lästig, doch völlig unschuldig, euch Hausfliegen kann ich jetzt besser verstehen, warum hab ich das nur nicht früher gesehen, ich werde dich Fliegentier nie mehr hassen, nenne dich Nina, das könnt zu dir passen,

lad dich zur Vesper ein und zum Wurstenbrot, ich pass auf dich auf und ich schlag dich nicht tot. Musca, du stehst unter meinem Schutz, und das sag ich aus reinem Eigennutz, denn letztendlich könntest du, ja oder nein? – meine eigene Urgroßmutter sein!

Mein restliches Menschenleben lang geh ich nicht mehr auf Fliegenfang, nur deine Verwandten, die mich stechen, an denen werd ich mich weiterhin rächen. Viva la Musca, das rufe ich noch, meine Stubenfliege, sie lebe hoch!

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Interne Verweise

Kommentare

Detmar Roberts
16. Dez 2016

Eine pfiffige, gekonnt gedichtete Tiersatire, die zum Nachdenken anregt. Habe laut gelacht. Deine Stubenfliegenliebeserklärung hat meine miese Stimmung verbessert. Werde mit meinen wenigen Muscas Domesticas jetzt respektvoller umgehen ... und sie nur im Notfall killen. Nämlich dann, wenn sie dabei sind, meinen Käse madig zu machen ...
Ich grüße dich, D.R.

16. Dez 2016

Detmar, ich habe eine Idee zur Rettung deiner wenigen Stubenfliegen, leg deinen Käse in den Kühlschrank, dann führst du sie nicht in Versuchung. Übrigens, ist dir nicht aufgefallen, dass es wirklich nicht mehr viele von ihnen gibt? Jedenfalls bei uns nicht. Geht es ihnen wie den Spatzen, die nichts mehr von den Dächern pfeifen und ausgestorben zu sein scheinen?
LG Marie

16. Dez 2016

Mach die Fliege! - würde ich sie freundlich, aber bestimmt ansprechen! LG! Jürgen

16. Dez 2016

Danke, Jürgen, ich habe diese sonst oft verwünschte Tierart ja fast schon ins Herz geschlossen ...
LG Marie

16. Dez 2016

Liebe Marie,
Stubenfliege in deinem Haus zu sein - das hat was, bei uns gab es sie im letzten Sommer noch in großer Zahl, wenn du magst, schicke ich dir im nächsten Jahr ein paar :-)))
LG! Sigrid

16. Dez 2016

Liebe Sigrid, sie war eine Einzelgängerin, vielleicht liegt es an der Jahreszeit oder an Großstadtluftluft, dass sie nur noch selten hier auftauchen, gerne könntest du mir ein paar Exemplare zuschicken, doch ich befürchte sehr, das überleben sie nicht ...
Liebe Grüße, Marie

16. Dez 2016

Soeben lag sie tot neben dem Adventkranz, ihre 42 Tage waren wohl vorbei. Wird sicher bald wieder eine andere auftauchen, der ich dann nicht so viel Aufmerksamkeit widmen kann, weil mich andere Dinge beschäftigen.

16. Dez 2016

Liebe Marie,
neben vielen Fliegen haben wir auch noch nen Haufen Spatzen bei uns im Dorf,
vermutlich liegt das an meinen Hühnern von denen diese beiden Spezies profitieren ... ;-)

LG Micha

16. Dez 2016

Lieber Michael, wie erfreulich, dass es bei dir auf dem Dorf noch Spatzen gibt, ganz ausgestorben sind sie also nicht. In der Großstadt sieht man sie nicht mehr, wahrscheinlich zu viel Asphalt und keine Brutplätze. Habe gelesen, dass die kleinen Vögel auf der Vorwarnstufe zur Roten Liste stehen.
LG Marie