Lob der Stubenfliege

von marie mehrfeld
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Du Stubenfliege bist eine Plage, du ärgerst mich in jeder Lage, ich spüre es deutlich, du schwarzes Insekt zollst mir nicht den geringsten Respekt, ich keife dich an, du blödes Vieh, indes Mann o Mann, dich fange ich nie,

selbst wenn ich liege, kommst du geflogen, ich werde dich kriegen, ganz ungelogen, da hockst du mitten im Honigbrot, jetzt hol ich die Klatsche und schlage dich tot, laufe dir hinterher wie verrückt, bald bin ich befreit von dir und beglückt,

doch bin ich ja so ganz im Prinzip keine Mörderin, sondern eher lieb, also schau ich dich mal genauer an, fang bei den zarten Flügelchen an, die Facettenaugen betrachte ich mir – und ich stell fest, du bist schön, du Tier,

Teil der Schöpfung bist du, wie ich, lästig zwar oft, doch gänzlich unschuldig, euch Fliegen kann ich jetzt besser verstehen, warum habe ich das nur nicht früher gesehen, werde dich Flügeltier nicht mehr hassen, nenne dich Nina, das könnt’ zu dir passen,

lade dich ein zu Käse und Brot, pass auf dich auf und schlag dich nicht tot, Musca, du stehst unter meinem Schutz, das ruf’ ich aus reinem Eigennutz, denn letztendlich könntest Du - ja oder nein? meine eigene Urgroßmutter sein,

mein restliches Menschenleben lang geh ich nicht mehr auf Fliegenfang, nur deine Verwandten, die mich stechen, an denen werd’ ich mich weiterhin rächen, viva la Musca, das rufe ich noch, meine Stubenfliege, sie lebe hoch!

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Kommentare

Detmar Roberts
16. Dez 2016

Eine pfiffige, gekonnt gedichtete Tiersatire, die zum Nachdenken anregt. Habe laut gelacht. Deine Stubenfliegenliebeserklärung hat meine miese Stimmung verbessert. Werde mit meinen wenigen Muscas Domesticas jetzt respektvoller umgehen ... und sie nur im Notfall killen. Nämlich dann, wenn sie dabei sind, meinen Käse madig zu machen ...
Ich grüße dich, D.R.

16. Dez 2016

Detmar, ich habe eine Idee zur Rettung deiner wenigen Stubenfliegen, leg deinen Käse in den Kühlschrank, dann führst du sie nicht in Versuchung. Übrigens, ist dir nicht aufgefallen, dass es wirklich nicht mehr viele von ihnen gibt? Jedenfalls bei uns nicht. Geht es ihnen wie den Spatzen, die nichts mehr von den Dächern pfeifen und ausgestorben zu sein scheinen?
LG Marie

16. Dez 2016

Mach die Fliege! - würde ich sie freundlich, aber bestimmt ansprechen! LG! Jürgen

16. Dez 2016

Danke, Jürgen, ich habe diese sonst oft verwünschte Tierart ja fast schon ins Herz geschlossen ...
LG Marie

16. Dez 2016

Liebe Marie,
Stubenfliege in deinem Haus zu sein - das hat was, bei uns gab es sie im letzten Sommer noch in großer Zahl, wenn du magst, schicke ich dir im nächsten Jahr ein paar :-)))
LG! Sigrid

16. Dez 2016

Liebe Sigrid, sie war eine Einzelgängerin, vielleicht liegt es an der Jahreszeit oder an Großstadtluftluft, dass sie nur noch selten hier auftauchen, gerne könntest du mir ein paar Exemplare zuschicken, doch ich befürchte sehr, das überleben sie nicht ...
Liebe Grüße, Marie

16. Dez 2016

Soeben lag sie tot neben dem Adventkranz, ihre 42 Tage waren wohl vorbei. Wird sicher bald wieder eine andere auftauchen, der ich dann nicht so viel Aufmerksamkeit widmen kann, weil mich andere Dinge beschäftigen.

16. Dez 2016

Liebe Marie,
neben vielen Fliegen haben wir auch noch nen Haufen Spatzen bei uns im Dorf,
vermutlich liegt das an meinen Hühnern von denen diese beiden Spezies profitieren ... ;-)

LG Micha

16. Dez 2016

Lieber Michael, wie erfreulich, dass es bei dir auf dem Dorf noch Spatzen gibt, ganz ausgestorben sind sie also nicht. In der Großstadt sieht man sie nicht mehr, wahrscheinlich zu viel Asphalt und keine Brutplätze. Habe gelesen, dass die kleinen Vögel auf der Vorwarnstufe zur Roten Liste stehen.
LG Marie