Haptikerin

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die Welt versinkt in düsterem Grau, in zu lautem Klagen;
Schönheit ist virtuell verfügbar - doch ich bin Haptikerin;
brauche Berührung; mein gebrauchtes Gesicht halte ich
dem Spiegel entgegen in der Dämmerung des neuen Tags,

warte auf Wunder; Schatten greifen nach mir, ich will, ich
will das Licht sehen am Ende des Tunnels; weißt du, was
richtig, wichtig ist im Strom wütender Halbwahrheiten?;
der gute Geist der Zeit schwankt, und ich hoffe vergebens

darauf, dass Uhren sich rückwärts drehen - sie könnten es,
doch sie wollen es nicht; heilende Winde sollen das Blatt
wenden, bevor die schwarzen Vögel, die ängstlich in mir
flattern, das letzte Feuer gelöscht haben; das ist Einsamkeit

pur; mein Heißhunger auf Nähe und Liebe verwandelt sich
in einen struppigen Kater; doch sieh die Tulpen im Garten
und die jungen Knospen, die nichts von der Seuche wissen,
meine hoffende Seele streicheln und mich lächeln lassen …

6. April 2021

Interne Verweise

Kommentare

06. Apr 2021

Trotzt dem noch der Winter eben:
Vögel, Blumen bringen Leben!
(Der gute Geist im Haus schwankt auch -
Wie kaum ich zu erwähnen brauch ...)

LG Axel

08. Apr 2021

Ja – der Winter hat ein Ende;
lasst uns hoffen – auf die Wende …

LG zu Dir, Axel –
Marie

10. Apr 2021

Du sprichst mir aus der Seele, Marie. Auch ich suche vergeblich nach einem Hauch von Sinn im Meer sich oft widersprechender öffentlich geäußerter Worte. Und ich bin wie Du ein Haptiker und vermisse Berührungen. Habe mir einen Pullover im Internet bestellt, den ich im Laden nie genommen hätte, er fühlt sich kratzig an. Anfassen ist so wichtig. Zwar klingt Dein Gedicht stellenweise resigniert – wie sollte es auch anders sein in dieser Zeit – doch die Tulpen und Märzenbecher, die nichts von Corona wissen, bringen Hoffnung zurück, die wir grade am meisten brauchen. Mit großem Interesse gelesen!

HG
D.R.

D.R.

10. Apr 2021

Danke für Deinen ausführlichen Kommentar, Detmar. Die Hoffnung niemals aufzugeben ist überlebensnotwendig, für mich, eigentlich für uns alle; „hoffe nicht ohne Zweifel und zweifele nicht ohne Hoffnung“ – das hat schon der alte Seneca gesagt vor 2000 Jahren …

Sei lieb gegrüßt!
Marie

07. Apr 2021

Verse, die tiefgründig und einfühlsam mitnehmen, die
bestimmt , auch durch Deine feinsinnigen Sprachbilder berühren, so manche "müde Seele" erreichen und aufrichten können, viellt ein " Erblühen schenken.
Herzliche Grüsse zu Dir, liebe Marie.
Ingeborg

08. Apr 2021

Die Seelen scheinen allgemein ermüdet zu sein, Ingeborg; das dicke Ende liegt wohl noch vor uns, aber gemeinsam werden wir es schaffen – vorausgesetzt, wir denken weltweit, was die Bekämpfung des Virus’ betrifft. Danke für Deine lieben und klugen Worte.
Herzliche Grüße zu Dir

Marie

07. Apr 2021

...Deine müde Seele umarmend liebe Marie... sehr tief!

Herzlich liebe Grüße
Uschi