Frühlingssturm in der Senne

Bild von Haraldsson
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Frühlingssturm kommt herangewagt,
Braust über Föhren und Heide:
„Krümmt euch!“ ruft die Erde verzagt:
„Kniet euch!“ schreit bissig die Weide.

Sturm rauscht über Feld und Geäst.
Die Zweige knarren und knacken.
Die Eiche steht mutig, trotzig, fest,
Beugt weder das Haupt noch den Nacken.

Die Erde ernst zur Eiche spricht :
„Du baust dir 'ne Riesenfalle!“
Der alte, starke Baum, er bricht,
Stürzt nieder mit großem Dralle.

Gebrochen spricht der Eichenbaum:
„Will keinem das Leben neiden.
Sterben werd ich und schaffe Raum,
Für Birken, Erlen und Weiden.

Wiegt im Sturm euer Blätterhaar,
Über meine frische Leiche.
Ihr Bäume, die ihr trauert zwar,
Denkt dran, ich war eure Eiche.“

(c) Olaf Lüken (16.04.2021)

* In Erinnerung an den Heimatkundler und
ehem. Realschuldirektor Johannes
Buschmeier aus Hövelhof

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Kommentare

16. Apr 2021

Zum Thema "Haar" kein Kommentar -
Auch wenn es Blätter-Haar hier war ...

LG Axel

16. Apr 2021

Das Gedicht dürfte zu meinen BESTEN gehören.
Blätterhaar hin, Blätter-Haar her !.
Danke für deinen Kommentar
HG Olaf

16. Apr 2021

Ja, das Gedicht gelang Dir gut!
(Ich trage ohnehin gern Hut ...)

LG Axel

16. Apr 2021

Auch Eichen stehen ewig nicht -
sie fallen um im Weltgericht...

LG Alf

16. Apr 2021

Ja, lieber Alf, vor den Eichen muss man weichen ! Leider nicht von mir.
Von mir könnte eher stammen: Nur die Eichen gehen über Leichen !
HG Olaf

17. Apr 2021

Aus Eichen- das letzte Bett für Leichen,
tun auch Prinzen willkommen heißen.

Liebe Grüße
Soléa

18. Apr 2021

... wobei ich mich ja immer wieder frage, was am Baum eigentlich als "Baum" zu bezeichnen sei, denn das Oberirdische ist ja nur "Beschaffungsmaterial" für den Lebensantrieb, der ja wohl unterirdisch lebt, denn von dort aus treibt auch ein gefällter Baum wieder neue Triebe ans Licht ...