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Heimweh

Bild von Willi Grigor
Bibliothek

Ich bin müde, ich hasse Fabriken,
will heim in mein einfaches Haus,
zu meiner Kate am Blutsteinriede,
in das wohlige Grün zuhaus.
Ich will leben von Wasser und Flechten,
dürft ich bloß schnell wieder tauschen
das Gaslicht, den Lärm in den Nächten,
in denen die Stunden verrauschen.

Ich will heim in das Tal des Pajso,
zu dem moosigen Grasland am So,
wo gründunkle, knorrige Bäume
im Ring stehn im sumpfigen Grund,
wo Gräser auf Feuchtland wachsen
an Quellen, die nie versiegen,
und wo Pflanzen weben im Boden
ihre Wurzeln fein wie Seide.

Ich will heim in das Tal bei Kango,
wo die Heide blüht leuchtend rot
wie ein Schutz aus wehenden Flammen
vor des Herbstes drohendem Tod -
wo Falter, farbig und freudig,
auf mehligen Flügeln schweben,
und schwere, singende Hummeln
zu den schwellenden Blüten streben.

Ich will heim zu den schuftenden Menschen
in des Sommers stechender Glut,
die wach sind in bitteren Nächten,
im Kampf gegen Kälte und Not.
Ich will da sein wo Wolken still ziehen
und Sterne am Himmel stumm scheinen,
wo reißende Stromschnellen singen
im Takt mit den Liedern, den meinen.

(Pajso, Kango: Flüsse, So: ein See)

© Willi Grigor, 2017
Übersetzung des Gedichts "Hemlängtan" von Dan Andersson (1888 - 1920), Schweden.

Dan Andersson (1888 - 1920) ist einer der verstorbenen schwedischen Poeten, deren Gedichte ich gerne übersetze.
Andersson wuchs in großer Armut auf. Er war in mehreren Berufen tätig, unter anderem als Knecht und Waldarbeiter. Seine Gedichte wurden erst bekannt, als er im Bett eines Billighotels in Stockholm durch ein schlecht gelüftetes Insektengift starb. Er wurde 32 Jahre alt.

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