Lautes Schweigen

Bild von Horst Fleitmann
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Sie hatten doch beide vor so vielen Jahren
den Berg, fast den Gipfel der Liebe  erklommen.
Dann mussten sie irgendwann schmerzlich erfahren,
es war ihnen etwas abhanden gekommen.

Sie waren erschrocken, ein Jeder für sich.
Nun fragten sie sich, wie es kam und seit wann.
Sie blickten im Wechsel zu sich und zum Tisch
und dachten daran, wie das alles begann.

Sie schwiegen sich vorwurfsvoll maßlos an
und schwelgten in ihren Gedanken.
Wenn sie oder er zu reden begann,
dann kamen sogleich sie ins Wanken.

Bis Mitternacht sind sie still sitzen geblieben.
Nur Traurigkeit war's, die noch einte.
Sie hatten zu laut und zu lange geschwiegen.
Die Türe schlug zu und man weinte.

© Horst Fleitmann, 2008

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Kommentare

13. Sep 2020

Schmerzvoll ! Warum ? In den Bildern sehe ich auch mich.
HG Olaf

14. Sep 2020

So möchte ich einen kleinen Beitrag zu Deinem sehr tiefsinnigen Text beisteuern mit Zeilen der von mir sehr geschätzten Ite Liebenthal, die mir unlängst erst unterkamen:

"Mehr als mich wirst du die Erinnerung lieben,
wenn das lebendige Bild hinter den Schleier entweicht,
wenn nur der schwebende Hauch verwehender Worte geblieben,
wenn dich der letzte Sinn versunkener Blicke erreicht.

Dann werd ich ganz dein alterndes Leben umschließen,
Einsamster unter den Menschen, daß nie deine Seele verdirbt.
All meine inneren Quellen, die heut noch verborgen dir fließen,
münden gestillt in dein Herz, und alles Leiden stirbt."

Mit einem Hoch der Lyrik und lieben Grüßen in Deinen Abend
Uschi