Noch heute

Bild von Willi Grigor
Bibliothek, Mitglied

Zwei Kinder, die der Krieg verschonte,
in einem Bahnhof sie sich trafen.
Sie stiegen in den gleichen Zug,
sie fuhren in die gleiche Stadt.
Sie wanderten mit ihren Eltern,
mit ihren Beuteln und Geschwistern
auf einer Straße mit Ruinen,
in eine neue, andre Welt.

Düsseldorf, im Stadtteil Oberbilk,
Flügelstraße 54.
Vor diesem Haus standen zwei Kinder
mit ihren Eltern und Geschwistern,
sie schauten sich einander an,
dann gingen sie ins graue Haus
- das kurz zuvor eine Ruine war -
und öffneten die Türe
im dritten und im vierten Stock.

Der Zufall hat die Hand im Spiel,
wenn Menschen treffen sich, vereinen.

Vor diesem Haus wir spielten, rannten,
in diesem Haus wir Männer wurden.
In diesem Haus wir Jahre lebten,
in diesem Haus die Eltern starben.

Zwei stille Buben in einer lauten Welt,
in einem Bahnhof sie sich fanden.
Zwei gute Freunde sie noch heute sind -
nach über 70 Jahren.
Er hat sie noch nicht weggefegt,
der nach dem Kriege meistens warme,
nur ausnahmsweise kalte Wind.

Schon lange leben beide schon
in zwei verschied'nen Ländern.
Der Zufall hat es so gewollt
und wollte es nicht ändern.

© Willi Grigor, 2021
Aus dem Leben

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Interne Verweise

Kommentare

03. Aug 2021

Ach, wie schön - so eine Lebensfreundschaft! Aber ich habe Glück, erlebe Ähnliches mit einer gleich alten Frau, wir sind zusammen eingeschult worden, haben gemeinsam das Abitur bestanden und uns nach ein paar Jahren Pause in einer anderen Stadt wieder gefunden.
Herzliche Grüße - Marie

03. Aug 2021

Liebe Marie,

schön von Dir zu hören.
Wo bist Du untergekommen?
Ich darf bei Denis weitermachen - für wie lange weiß man nicht.
Aber was weiß man schon, was die Zukunft bringt. Und wo anders anzufangen will ich nicht

Danke auch für das "Lesenswert" und deine Zeilen.

Freundliche Grüße
Willi

06. Aug 2021

Hallo, Axel und Marie,

ich freue mich, dass Ihr Euch meldet!
Aber wo seid IHR?

Viel Grüße
Willi

06. Aug 2021

Hallo!

Ich bin lediglich bei FB vertreten - davon freilich ganz und gar nicht begeistert ...
Ein Forum wie LitPro konnte ich leider nirgends entdecken.
Ab und an schaue ich ins Rest-Litpro rein - man erhält ja keine Benachrichtigungen mehr ...

Ein schönes WE und LG, Axel

06. Aug 2021

Hu!

Ich bin auch noch hier ... XD

LG - Denis!

06. Aug 2021

Und ich fühl mich irgendwie
alleine hier.
Fast wie in einem stillen Wald,
also gut.

WG

07. Aug 2021

Ja - es ist einfach sehr schade, dass LitPro nur noch derart existiert ...
In den meisten Foren VERStecken sich die Mitglieder hinter irgendwelchen Avatar-Bildchen und ziemlich albernen Decknamen - allein das empfinde ich schon als störend. Entsprechend herrscht dort dann auch kein gutes Klima - die Schreiber sollten stets persönlich greifbar hinter ihren Texten stehen! Zumal solche Anonymität gerne zu einer gewissen Aggressivität verleitet ...

LG Axel

07. Aug 2021

Da stimme ich vollkommen mit Dir ein, Axel.
Deshalb bleibe ich lieber bei LitPro - so, und so lange, wie es existiert.

LG
Willi

08. Aug 2021

Guten Morgen an Euch alle, ich lebe auch noch, nur nicht so motiviert wie zur Zeit, als LP noch für alle nutzbar war. Mir fällt kaum mehr was zum Schreiben ein, obwohl die Welt einem um die Ohren fliegt. Noch vor ein paar Wochen sprangen mich schon in der Nacht Ideen für ein Gedicht an, kam manchmal nicht schnell genug aus dem Bett, um sie schwarz auf weiß festzuhalten, um einstellen zu können. Und jetzt stehe ich auf und beginne den Tag, ohne ins Träumen zu geraten … Ich hoffe auf ein Wunder, das ich mich wieder fange und die Seite irgendwann wieder offen ist! Auf Schreibenetzwerk tummle ich mich als, alles andere an Seiten geht überhaupt nicht, aber es ist bei weiten nicht dasselbe, bei weitem nicht.

Seid alle herzlich gegrüßt
Soléa

08. Aug 2021

Hallo, liebe Soléa!

Viele Grüße - auch an alle anderen Leser - viele werden es wohl nicht (mehr) sein ...

Ein schönes WE und LG, Axel

08. Aug 2021

Liebe Soléa,

danke für Deine Meldung.
Ich kann Dich und Deine Gefühle gut verstehen. Wir waren doch so gut bei LitPro "aufgehoben".
Aber gleichzeitig wusste man (mutwillig), dass alles irgendwann aufhören kann. Dass (fast) alles dann so schnell endete ist hart.
Doch habe ich für mich beschlossen, dass ich bei Denis bleibe, bis meine Motivation erlischt.

Viele Grüße, auch an Dich, Axel!
Willi