Stein in meiner Hand

Bild von maruschka
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so viel schnelles wildes Wasser strömt durch die abgedunkelten hohen Säle meines tiefen Schlafs, auf dem unendlich graugrünen Blau wiegen sich verblassende Wünsche wie selbst
gefaltete Schiffchen aus Zeitungspapier,

schutzlos ausgeliefert sind sie dem Wind, der auch meinen Körper erzittern lässt bis ins Mark, sehe ich grüne, braune und blaue Augen derer, die vor mir waren, getröstet schauen sie mich an, vorwurfsfrei gelassen schwimmen sie an mir vorbei;

dann türmen sich Wellen himmelhoch auf, wollen sich an meinem Widerstand brechen; und wenn nicht, tauche ich drunter durch; ich kann das; will ruhig werden, die unendliche Leere meiner müden Pupillen füllen mit dem Glanz rarer Glücksmomente gelebter Jahre;

nichts mehr erwarten will ich, mich nicht mehr fürchten vor einsamem Wandern, vor schwarzen Nächten in feuchten Kellern, für immer verdrängen will ich die Schreie Eingeschlossener in den Waggons, die nachts mir durch die Seele rattern;

nichts mehr erwarten will ich von einem Leben nach dem Tod, einfach still werden und den weisen Worten des allwissenden Steins lauschen, der so glatt in meiner Hand ruht, und nicht aufhören zu suchen nach der Essenz der Liebe und danach, was vor dem Anfang war, was sein wird nach dem Ende

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Kommentare

11. Sep 2020

Falls das LICHT mich wirklich findet – ist das Sorgen unbegründet.

LG an Axel - Marie

10. Sep 2020

Ich habe deinen Gedanken gern gelauscht. Wortgewaltig trittst du auf.
Wild bewegt ? Ja. Aber: Mit Worten lässt sich treftig streiten, mit
Worten ein...
HG Olaf

11. Sep 2020

Ja, mit Worten kann man streiten, unter Worten kann man leiden … das könnte man endlos fortsetzen; lieber Olaf, ich danke Dir für Deine Worte.

HG - Marie

10. Sep 2020

Ein wilder Wassertraum mit philosophischem Ende? Wir fragen danach und werden es nie beantworten können - was vor dem Anfang war, was nach dem Ende kommt. Die Unendlichkeit von Raum und Zeit zu begreifen übersteigt jedenfalls meinen geistigen Horizont. Ein spannendes Gedicht mit vielen Facetten, geschrieben in der für Dich typischen Sprache. Mit großem Interesse gelesen, Marie.

HG
D.R

11. Sep 2020

Was Du mir schreibst, das habe ich ebenfalls mit großem Interesse gelesen. Du verstehst genau, was ich mit meinem Traumgedicht sagen will, Detmar. Danke dafür.

HG zu Dir - Marie

11. Sep 2020

Was sein wird nach unserem Ende –
vielleicht folgt eine überraschende Wende,
der Punkt vom Leben in den Tod,
nur er besitzt den geheimen Code …

Sei herzliche gegrüßt
Soléa

11. Sep 2020

Auf eine überraschende Wende kann man immer hoffen, liebe Soléa. Danke für das kleine passende Gedicht. Lass uns neugierig bleiben und weiter fragen und suchen, es hält jung.

Sei herzlich zurück gegrüßt - Marie