Falke und Prinz

von Erich Vio
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Wenn er von der Faust ins Leere gleitet,
Flügel sichelförmig ausgebreitet
seinen Herrn in raschem Flug umkreist,
seines Stoßes Sicherheit beweist
daß geschwungene Federspiel erfaßt,
in der Luft als hinderliche Last
fallen läßt, im Fallen wieder fängt,
wie ein fliehendes Geschöpf bedrängt,
bis es hilflos auf der Erde schleift,
eh' er es zum letzten Mal ergreift,
mit den Fingern auf den Rasen streckt,
schützend mit den Schwingen deckt,
lobt der Meister seines Zöglings Fleiß,
läßt den schrill Frohlockenden zum Preis
seine Beute, die er wild zerreißt.
Über ihm ein Schwarm von Krähen kreist.
Wenn er dann sich auf den Handschuh schwingt,
seinem Herrn der sichre Griff gelingt,
der die Haube über's Haupt ihm schlüpft,
der Geblendete sich sträubt und hüpft,
zieht der Gurt ein tausendjähriges Band
von dem Vogel zur beschuhten Hand,
läuten seine Schellen durch die Zeit
längst entflogener Vergangenheit,
wallt des Falkners königliches Blut
zeitauf mit des Herzens Sehnsuchtsflut
aus der kläglichen Verbannung Fron
zu der Ahnen bergumkrönten Thron.

Veröffentlicht / Quelle: 
Reisebilder in Gedichten- Der Karlsruher Bote
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