Fabrikokuluss - Teil 3

von Frank Tegenthoff
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Anonymus hatte sich nur eine kurze Pause gegönnt. Wohl war ihm dabei nicht, denn er musste seine Geschichte fortsetzen. Die Tinte war noch garnicht trocken und unzählige Bilder rasten durch seine Gedanken. Mehrere Worte fielen wie Regen zu kleinen Pfützen. Aus denen formten sich Arme zu Flüssen. Sein Gedankenfluss verselbstständigte sich und lenkte jede Silbe zu Worten. Irgendwie entfesselten sie Sturzbäche. Anonymus schrieb fast ins Bodenlose. Er musste sich ans Schreibpult festhalten. Dann blickte er zur Seite auf seinen Apfel. Er duftete süßsäuerlich. Anonymus nahm einen kräftigen Biss. Dabei schmeckte der Apfel nach Frische und Bergluft. Er fühlte sich rundum gesättigt. Er war für das nächste Kapitel gewappnet!
Aber dann überflog er das vorherige Blatt Papier und seufzte dabei. Sein ,,Kinderland" rinnt ihm wie durch eine Sanduhr getrieben zu Boden. Mit jeder verstrichenden Zeit verändert sich etwas um und in seiner Stadt. Kann er überhaupt etwas von seiner Geschichte retten? Er ist sich nicht ganz sicher: Noch immer wälzen sich Menschenmassen durch die Winkelgassen - Frauen und Männer, paarweise hintereinander. Am liebsten würde Anonymus den Fremden austricksen. Aber hinter seinen Schläfen pocht das Gewissen. Er wäre dann auch nicht besser als Mister Speed. Schließlich beendet er die Satzreihe, so wie sie da steht. Zwei neue Hauptfiguren kommen hinzu. Sie sind unbefangen und beleben den Alltag mit kleinen Streichen. Sie sind lebensfroh und erträumen sich nicht nur die Welt. Lilly Ypsilon kommt aus dem Land der zwei Kirschmonden. Dort existieren sprechende Ampeln, Riesenräder aus Lakritze, fliegende Wecker als Zeitmesser und sogar küssende Hunde
und Katzen. Nichts ist Lilly unmöglich. Sie kann Pferde tanzen lassen oder auf Kröten reiten. Aber das will sie nicht wirklich.
Es gibt hier keine Erwachsene. Man habe sie woanderst hingebracht. Doch Lilly hat von den Erwachsenen nur gehört, aber keinen von ihnen
gesehen. In Lilly's Welt ist sonst alles denkbar, was Fantasie herstellen kann. Nur keine Erwachsene! Sonst vermisst niemand etwas. Aber jemand wusste von ihnen und kennt erwachsene Menschen. Es tauchte einmal ein Halbkind namens Robbo Zett auf. Er erzählte Lilly von einem Ort, wo er einmal Erwachsenen begegnete. Ja, dort wäre eine große Stadt mit vielen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe. Robbo wusste auch etwas von dem Geist auf dem Riesenbike, das größer als ein Pferd ist. So hörte sich Lilly alles an. Ihr gefiel Robbo und umgekehrt war er von ihr fasziniert.
Da hatte Anonymus eine mögliche Lösung, um Mister Speed auszutricksen! Lilly musste durch Robbo die nötige Beihilfe bekommen, um die Erwachsenen ins Land der zwei Kirschmonden zu bringen. Zudem lebt hinter dem nördlichen Eismeer ein Volk, das Robbo als Seitenwandler kennt. Sie werden auch Weltenwandler oder
Assozianer genannt. Sie besitzen eine besondere Gabe: Sie können Fantasien umformen und so ganz neue Assoziationen schaffen. Nur benötigen sie dazu, die Halbkinder.Anonymus erlebt es gerade. Sein Kinderland wurde umgeformt und es verändert sich immer mehr. Dahinter muss der diabolische Mister Speed stecken.

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