Man weiß es nicht

Bild von Monika Jarju
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Wenig Betrieb auf dem Bahnhof, bis hierher war alles gut gegangen, aber würde es weiter so gehen? Am Schalter verlange ich eine Rückfahrkarte nach Berlin. „1,99, Kleiner!“, sagt der Beamte. „Für diesen Zug um weißnichtUhrneununddreißig?“, frage ich entgeistert nach. „Das ist ja dreimal so teuer!“ Der Beamte verharrt gleichgültig abwartend. Ich bezahle. Bis zur Abfahrt bleibt mir noch genügend Zeit für einen Spaziergang. Das polnische Städtchen sieht gediegen aus. An den Hauswänden hängen Fotos, von denen Angela Merkel freundlich lächelt. Ich setze mich in ein gemütliches Café, bestelle Kaffee und Kuchen. Plötzlich ein Schrei. Ich drehe mich um. Hoppla, im gleichen Moment sehe ich den jungen Mann, sein verschlagenes Grinsen, er reißt der Frau am Nebentisch den Hamster aus der Hand und – ich traue meinen Augen nicht – blitzschnell bindet er ihn am Tischbein fest. Und dann ist er weg. Die Frau sitzt mit offenem Mund da. Während sich mein Schreck allmählich in Empörung verwandelt, stelle mir vor, wie ich den Hamster losmache – die Kaffeetasse bewegungslos in der Hand. Irritiert schauen die Gäste auf den Hamster und dann durchs Fenster zum Marktplatz, wo der junge Mann lässig schlendert, sein Pfeifen durchdringt die Stille im Raum.

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Kommentare

15. Apr 2020

Spannend! Therapeutisch gesehen eine Fundgrube... Schade, dass wir so wenig Möglichkeiten haben, uns auszutauschen. Ich glaube, wir hätten viel Spaß zusammen :)
Liebe Grüße von Britta

15. Apr 2020

Selbst Krause hamstert - Klopapier!
(Den Krempel tauscht sie gegen Bier ...)

LG Axel

19. Apr 2020

Ach, keiner weiß, was man nicht weiß...

Liebe Grüße auch an Dich, liebe Soléa!
Monika