David

von Michael Dahm
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Es war wie ein kurzes Aufblitzen und er wusste, nun war es so weit. Der Bewußtseinschip, über lange Zeit von ihm getrennt, war ihm soeben von Leika, der guten Seele von Prometheus 3, eingesetzt worden.
Er löste sich aus seiner Halterung und begab sich an das Kontrollpult. Wenn er gekonnt hätte, hätte er gegrinst, weil er seine alte Gewohnheit, sich die Hose glatt zu streichen, noch nicht abgelegt hatte.
Nein, der aluminiumlegierte Schädel hatte keinen Muskel, der sein titanenhaftes Gesicht hätte verziehen können. Hosen hatte er auch keine. Das alles lag hinter ihm.
Der Gedanke, dass er der letzte Bote und Hüter der Menschheit war, lag wie eine tonnenschwere Last auf seinen breiten, metallenen Schultern.
Die höchstentwickelte Technik der Menschheit, die es wohl nun nicht mehr gab, hatte ihn sicher hierher geleitet. Jetzt lag es an ihm, sie wieder heimisch zu machen.
Er erinnerte sich an den Testlauf, nachdem seinem menschlichen Körper das Bewusstsein entnommen worden war.
Als er wieder zu sich kam, war bereits alles auf Chips und Festplatten übertragen worden.
Er sah sich im Bett der Klinik noch an den Geräten, die nach der Entnahme abgeschaltet wurden. Damit war er als Mensch gestorben, und es gab kein Zurück mehr. Als er sich erstmals zur vollen Größe von acht Metern aufrichtete, erschrak er. Er musste lernen, sich zu koordinieren, keine fahrigen Bewegungen zu machen, denn das konnte ein jähes Ende seiner Mission bedeuten. Seine Maschinenkraft kannte keine Grenzen und eine unkontrollierte Bewegung an Bord des Schiffes konnte dieses vernichten.
Kopien seines Ichs lagen noch im Archiv des Schiffes. Und es gab für den Fall der Fälle noch einen Goliath als Reserve, für diesen wurde alles, was er ab heute erlebte, aufgezeichnet, damit nichts verloren ging. Damit würde sein Wissen von David in Goliath übergehen. Obwohl David dann natürlich auch gleichzeitig Goliath sein würde.
Mit wuchtigen Schritten begab er sich in den Frachtraum und kontrollierte die kryogenischen Kammern, in denen das kostbarste Gut der Menschheit lagerte, nämlich die Menschheit selbst, in Form von Spermien und Eizellen. Nur das beste Erbmaterial von hochrangigen Wissenschaftlern und Schlauköpfen befand sich in ihnen und auch seine noch ungeborenen Kinder.
Zudem hatte man ihm in gleicher Weise das Erbmaterial von Nutztieren und Pflanzen mitgegeben, um die neue Welt in alter Tradition aufleben zu lassen.
Man hatte ihm, dem Auserwählten, die letzten Mittel und Ressourcen der Erde gegeben, um die Menschheit nicht aus dem Universum zu streichen. Inzwischen war sie wohl an den Folgen des Klimawandels kollabiert.
So öffnete er den Bildschirm, um sich einen Überblick aus dem Orbit zu verschaffen.
Die Erde lag still und klar vor ihm. Pangäa, der Urkontinent, hatte sich noch nicht getrennt. Es gab keine Anzeichen von Luftverschmutzung.
Diese Reise, zurück in der Zeit, um noch einmal zu beginnen, war seine Idee und er fand sie millionenfach besser, als einen neuen Planeten zu besiedeln.
Natürlich hätte die Menschheit jetzt einen bedeutenderen Vorsprung, zeitlich wie technologisch, und würde sich viel rascher entwickeln können. Doch könnte sie ihren Planeten auch viel schneller vernichten. Darauf sollte sein größtes Augenmerk liegen.
Zur Zeit lebten noch Dinosaurier und andere Geschöpfe auf der Erde und man würde sich arrangieren müssen. Er würde sich lange Zeit lassen, um ein geeignetes Habitat zu errichten und er würde sehr, sehr vorsichtig sein.
Auch hatte er das Gefühl eines Déjà-vus. Was, wenn er das alles schon einmal erlebt und versagt hatte.
Wie gesagt, dieses Mal würde er sehr, sehr vorsichtig sein.

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Kommentare

18. Feb 2018

Hallo, Micha. So gut, wie Du hier eine Zukunftsvision schilderst, könnte sogar ich Interesse an solchen Geschichten bekommen.

LG Annelie

18. Feb 2018

Hallo Axel,

So könnte man die Welt immer neu erschaffen
unter Umgehung der Menschenaffen ;-)

LG Micha