Die Fabrik

von Mark Read
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Irgendwo muss es ihn geben – den Ort, von dem all die identischen Menschen herkommen. All jene, die Tag für Tag die Gehsteige bevölkern, sich an Griffen in U-Bahnen und Trams festhalten, an Supermarktkassen stehen. Die Männer in den immer gleichen Hemden, Anzügen oder Sakkos, die Frauen mit den identischen Blusen und Röcken.

Irgendwo muss sie stehen – die Fabrik, die diese Produktserien anfertigt. All die jungen, adretten Gebrauchsgegenstände in Menschenform, gleichförmig und austauschbar, je nach Serientyp glattrasiert oder dezent geschminkt, sportlich-leger oder formell-seriös.

Irgendwo muss es sich befinden – das Unternehmen, das all diese genormten und chemisch von allen Identität verleihenden Staubpartikeln gereinigten Menschen von der Stange herstellt und in die Welt hinausschickt, damit sie sich in Büros treffen, streng formalisierte Gespräche über die immer gleichen Fernsehsendungen führen und identischen Kaffee trinken können. Damit sie genormte Floskeln in genormte Gespräche einfließen lassen können. Damit sie sich so verhalten, wie es ihnen die Fernsehsendungen vorleben.

Irgendwo muss dieses Unternehmen existieren. Und wenn ich es finde, werde ich mich dort um eine Stelle bewerben.

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