Konkrete Poesie

von Max Winterstein
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Das Bier ist warm.
Die Lampe kaputt.
Im Kaffee ist zu viel Milch.
Nur das Feuerzeug in meiner linken Hand erhellt meinen Schreibtisch.
Schönes, weißes, reines Papier liegt vor mir.
Ich fange an zu kritzeln.
Mein blauer Kugelschreiber verunstaltet das Papier.
Als ich fertig bin betrachte ich mein Werk.
Konkrete Poesie. Eigentlich ganz schön.
Ich knülle das Kaninchen zusammen und werfe Richtung Mülleimer.
Verfehlt.
Ich saufe das Bier in einem Zug aus und mir wird schlecht.
Ich übergebe mich.
Ich schütte mir noch den Kaffee hinterher.
Noch einmal übergeben und schließlich ist das Mittagessen wieder raus.
Angeekelt blicke ich es an.
Ich mache das Feuerzeug aus, um es nicht ansehen zu müssen.
Jetzt sehe ich gar nichts mehr.
Es klopft an der Tür.
„Nein!“, schreie ich.
Die Eule zetert.
Es klopft wieder.
„Verschwinde!“, brülle ich.
Die Eule macht Krawall.
Es klopft.
Wütend ziehe ich meine Sandalen aus und werfe sie gegen die Tür.
Die Eule ist jetzt still, nur der Affe stöhnt.
Ein letztes Klopfen und ich gebe auf.
Ich greife mein Feuerzeug und gehe zur Tür.
Die Tür fliegt auf, doch es ist nur das Huhn.
Genervt schüttel ich den Kopf und gehe zurück zum Schreibtisch.
Ich trete in mein Mittagessen.
Ich fluche.
Wenigstens hab ich Socken an.

April 2019

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