Feuer im Casa Ciro - was it arson? - Page 4

von Laura von Meyer
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ihn ein paar mal besucht haben, sehe ich das natuerlich schon anders, und durchaus quaelender.
Wenn ich es noch einmal zusammenfassen darf:
Ich graeme mich, taeglich mehr und im Zeit- und Schmerzaufwand stetig zunehmend, ueber die Tatsache, dass mein Nachbar mir unter Alkoholeinfluss vor drei Monaten versprochen hat, mich zum Essen ins Casa Ciro auszufuehren und das Versprechen nicht einhaelt und sich auch nicht dafuer entschuldigt oder dies begruendet.
Greame Simsion wuerde dieses als ‚the peter promise dining problem’ bezeichnen.
Aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter, ich werde weder ein
The Peter Projekt noch ein The Peter Effekt Buch schreiben
Ich bin kein Semi Autist und leide nicht unter Asperger’s Syndrome
Ich leide unetiquettiert und anscheinend freiwillig.

( Ich wuerde als stark ins Vorhinein projizierte moegliche finale Folge dieses Essengehens weder mit ihm Koerperfluessigkeiten austauschen, noch ihn heiraten wollen und fuer den Rest meines Lebens Tetley Tee trinken (more value for your money) und den korrekten Sitz der entleerten Muelleimer zu einer meiner Hauptlebensziele machen wollen.
So dringend brauche ich die englische Staatsangehoerigkeit auch nicht.

Was zum Teufel verschafft mir –in Hinsicht auf eine Einladung, deren unausweichliche Konsequenzen ich doch gar nicht anstrebe,- schon wieder dieses demuetigende Gefuehl des Ungenuegens?
(ich sollte an dieser Stelle vielleicht einmal zugeben, das ich im Bauarbeiter- nachpfeif-score bei einer Bewertungsscala zwischen 1 und 10 bei -10 liege.)
Seit der ersten Tanzstunde mit 14 Jahren, in der ich permanent nicht aufgefordert wurde und staendig mit dem Sohn des Tanzlehrers tanzen musste, der mich mit goennerhaften, fruehprofessionellem Eintaenzergrinsen im Kreis schwang, wie einen laestigen Lumpen, habe ich vergeblich auf noch die zartesten Begehrlichkeitsbeweise des anderen Geschlechtes gewartet.

Ich hatte mir auch nun eingebildet, ich bin mit allem durch,
lebe ganz gemuetlich und friedlich mit meinem dreibeinigen Hund und meiner grossen Kiste xxl tena vor mich hin bis der
liebe Herrgott den Schlusspfiff anstimmt
(endlich dann mal einer...)

Und was ist, bei der ersten Gelegenheit, mich wieder beleidigt fuehlen zu koennen, schlage ich erbarmungslos zu.

Ein abgebranntes Casa Ciro ist schliesslich ein Versprechen, was man nicht mehr einhalten kann

So sorry for that

Ich weiss nicht, ob Sie sie kennen, aber es gibt doch diese Typen, bei denen man nicht sicher ist, soll man ihnen dankbar sein, oder muss man sie von ganzer Seele verabscheuen.
Dieser hier, von dem ich spreche, heisst Mike Anderson.
Er ist siebzig, wohnt mit seiner Frau in einem viktorianischen
Reihenhaus in einem kleinen suedenglischen Seebad.
Es gibt in unserer Strasse nur unsere 14 Reihenhaeuser und den
Aermelkanal, was eine Kombination von schier unglaublicher
Schoenheit ist.
Auf unseren Haeusern nisten die Seemoeven, und verteidigen
ihre Brut mit heftigen Attacken, wenn wir unsere nach hinten
gelegenen Dachterrassen ueber den Anbauten zum Waescheaufhaengen nutzen wollen.
Gott sei Dank brueten sie nicht das ganze Jahr.
Nachts raeumen sie die Muelleimer auf der Promenade leer,
auf der viel zu erfolgreichen Suche nach fish and chips.
Die Rasenflaechen vor unserer Haeuserzeile sind morgens uebersaet mit Verpackungsmaterial aller Art, um 6.30 kommt der
Adur and Worthing Council Raeumdienst und pickt mit langem Greiferarm die Abfaelle in die schwarzen Tueten zurueck.

Nebenan rottet die alte Aquarena vor sich hin , das Schwimmbad soll abgerissen werden und einem 24 Stock hohem Wohnturm weichen. Das neue Schwimmbad, Splashpoint rottet bereits daneben, beides architektonische Missgeburten irregeleiteter Mainstream-Architektur.
(Charles hat ja so recht)
Lokalpolitische Machtkaempfe und Pokerspiele haben den Verkauf des alten Schwimmbadgelaendes an eine Grundstuecksgesellschaft zugelassen, die nach unzaehligen Scheingefechten gegen die Anrainer ihr 24 geschossiges Riesengebaeude an unserem kleinen viktorianischen Strand mit den unbequemen pebbles, seinen chinesisch anmutenden viktorianischen Promenadenhaeuschen setzen werden.
Wenn sie das gemacht haben, ist der Blick auf den schoensten Pier der englischen Suedkueste Geschichte.
Das genau ist das Einsatzgebiet von Mike, der uns anderen
Reihenhausbewohnern mit stetigen emails ueber den Fortschritt der communalen Katastrophen auf dem Laufenden haelt.
Er hat sich in alle Gesetzesvorlagen und Guidelines dieser Insel vertieft, die er zu diesem Thema nur finden konnte, besucht
jedes oeffentliche Hearing, interveniert wo immer er kann und hat seinen schmiedeeisernen Balkon mit einem von seiner Frau
selbstgenaehten SOS Coastline Poster behaengt, (graesslicher Anblick)

Die Deals sind alle lange gelaufen, die Gemeinde bekommt fuer ihr housing project angeblich die noetige Prozentzahl kommunaler Wohnungen fuer die mother-of-21, die ihr 22. Kind
erwartet. White Dee wird nebenan wohnen, wir koennen die Merton Road ja in Benefit Road umtaufen.
Alle sind gluecklich, bis auf Mike Anderson, der sich nicht damit abfinden kann, das die Erde keine Scheibe ist.

Um den nachbarschaftlichen Zusammenhalt zu foerdern, hat er uns alle zu einem Geburtstagumtrunk und Essen zu Antonio eingeladen.
Antonio betreibt seit 24 Jahren, solange ist er mit Gwendolyn, seiner englischen Frau verheiratet, in unserem Ruecken sozusagen, an der Brighton Road, seine kleines italienisches Lokal ‚Antonio’s’
Als ich hierher zog, habe ich mich gefragt, von was der eigentlch
lebt, weil das Lokal ueber Monate nie geoeffnet schien.
Es sah immer gleich aus, wenn man durch die Fenster schaute,
rotweisse Decken auf den Tischen, und Strohblumen,
und abgebrannte Kerzen.
Die Speisekarte, mit Tesa von innen gegen die Scheibe geklebt, war lange ausgeblichen, nur sehr ungefaehr konnte man ‚penne a l’arrabiata’ erraten.
Wir Nachbarn bekamen ein halbes Jahr im voraus eine Einladung eingeworfen, dass wir am 7. Dezember uns bei Antonio’s einfinden sollten, Geschenke verboten, zur Pflege unserer nachbarschaftlichen Beziehungen.

Ich hatte ein halbes Jahr Zeit, darueber nachzudenken, ob ich dieser Einladung nachkommen konnte oder nicht.
Es ging nicht um den Termin an sich, der war nicht besetzt, weil
ich an dem Tag gerade in Auckland eine Vorlesung ueber „neue
Therapieoptionen der geographischen Atrophie bei genetisch assoziierten Makuladegenerationen „ halten sollte.
Es ging darum, ob sich etwas seit meiner fruehen Kindheit - in der mir Einladungen zu Kindergeburtstagen einschliesslich meines eigenen, Bauchschmerzen,, Kopfschmerzen, Durchfall und Erbrechen verursacht haben, - etwas geaendert hatte.
Mit zwoelf hatte ich es geschafft, meine Mutter davon zu ueberzeugen, keine weiteren Feiern auszurichten, was natuerlich auch zur Folge hatte, dass ich nicht mehr eingeladen wurde.
Wenn unsere Laienspielgruppe zur `Premierenfeier’ ‚ aufbrach, dann ohne die Hauptdarstellerin, Abiturfeier ohne mich,
keine Examensfeiern, und so weiter.

Es ging nicht um diese belanglose Veranstaltung, es ging um die
Frage, ob sich in den letzten sechzig Jahren, irgendetwas an meiner Denk- und Reaktionsweise geaendert hatte.
Und wenn ja, was. Die erste Reaktion auf das

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