Nachwort zu Feueraugen - Page 2

von Alexander Zeram
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Betrachter des Sternenhimmels, der sich vorstellt, da oben gäbe es wirklich all die blinkenden Punkte.

Nebukadnezar, Cäsar, Kopernikus, Freud, Gandhi und John Lennon - ein 'Ancien Régime', das 'Tausendjährige Reich', die erste Verleihung des 'Nobel-Preises' oder des 'Oscars' und der Zusammenbruch amerikanischer Selbstverständlichkeit imeinundzwanzigsten und -warum nicht- im dreißigsten Jahrhundert ... ja, natürlich!

Die Verwandtschaften der Epochen untereinander erklärt mir lediglich die Möglichkeit einer Verwandtschaft zwischen Zeiten und Daseinsformen.

Und warum auch nicht?

Die Vorstellung, in einem 'anderen Leben' eine bedeutende Persönlichkeit gewesen zu sein - wer hätte sich nie damit beschäftigt? Wen hat solch ein unerklärbares Déjà-vu-Gefühl nicht schon einmal grübeln lassen?

Was bedeutet schon 'anderes Leben'?

Sagen wir doch: in einer 'anderen, zeitlich verschobenen Welt'!

Metamorph

Vor mir befindet sich eine Wand.

Man würde mich bedenkenlos für verrückt erklären, wollte ich versuchen, durch diese hindurch zu gehen oder zu springen! Aber in einer 'anderen Welt' gibt es dieses Hindernis vielleicht nicht und ich könnte von meinem Schreibtisch aus geradewegs hinüber in das Zimmer meines Nachbarn schlendern - und es wäre, in diesem Fall, sogar mein eigenes, vergrößertes Arbeitszimmer!

Die Baldwinschen haben im Roman eben das getan, was man gemeinhin für 'unmöglich' hält. Ich habe sie das Nadelöhr finden lassen, durch das sie von ihrer Welt in eine angrenzende gelangen konnten.

Da glaubt jemand nicht, dass es eine solche 'angrenzenden Wirklichkeiten' geben könnte?

Ja ... warum liest er dann diese Zeilen? Hat er den Roman denn in einem Anfall von masochistischer Selbstverwirklichung durchgekaut?

Verrückt

Die Damen und Herren Irrenärzte kämen mit Sicherheit zu einer völlig neuen Berufsauffassung, würden sie einmal bedenken, was dieser Begriff tatsächlich bedeutet: ver-rückt!

Ver-rückt ... von einer Sphäre in die nächst-angrenzende!

... von einer Welt in die nächste!

... von einer Zeitenexistenz in die benachbarte!

Vielleicht wäre der brave Herr Maier, der sich für Napoleon hält, nicht so 'verrückt' im herkömmlichen Sinn, gäbe es für uns eine Möglichkeit, sein Problem allumfassend zu begreifen! Und wenn er dem noch braveren Herrn Schmid an die Gurgel springt, dann sollten wir unter Umständen lieber einmal genau hinhören, anstatt uns von diesem 'Wahn-Sinnigen' abzuwenden oder über alternative Möglichkeiten zur therapeutischen Behandlung nachzudenken.

"Hab' ich dich endlich, Blücher! Diesmal bin ich der Sieger!", schreit er und presst seine Finger über dem Kehlkopf des ungläubigen Schmid-Blücher zusammen, der sich historisch abgesichert geglaubt hat.

Sehr ver-rückt!

Aber wie verrückt sind denn wir, dass wir uns für normal halten und die Vergangenheit 'vergangen' heißen, während wir unsere Gegenwart, wenn schon nicht hochleben lassen, so sie doch wenigstens als die 'einzige und wahre' zu begreifen versuchen? Wie verrückt ist es überhaupt, normal zu sein ... oder zumindest mit dieser Annahme zu kokettieren?

Trinität

Dreieinigkeit!

Gottvater - Sohn - Heiliger Geist

Religiosität beginnt da, wo Atheismus endet!

Die Vielschichtigkeit des religiösen Gedankens macht den 'Glauben' aus; die Vielfältigkeit der Möglichkeiten begründet die Selbstsicherheit des 'Ungläubigen'!

Umso mehr Ausreden ich mir ausdenken kann, umso mehr Entschuldigungen mir offiziell angeboten werden, desto leichter fällt es mir, nicht zu glauben – im religiösen Sinn!

Dreifaltigkeit!

Schon als kleiner Junge war ich fasziniert von dem endlosen Gedankenfaden, der aus diesem Lehrbestand in die unfassbare Weite der Möglichkeiten hinaus schoss!

Mir hat es nie gepasst, dass die Dreifaltigkeit gänzlich in die unzweifelhafte Reinheit des Guten getaucht worden war.

Genaugenommen hat mir immer die Komponente des 'Bösen' gefehlt und mit den Jahren bin ich eigenmächtig genug geworden, sie selbst einzufügen – als Gegensatz zum Guten.

Ich konnte zufrieden sein, denn wenn der Teufel dem lieben Gott gegenüber steht, braucht man sich ja weiter keine Sorgen zu machen.

... bis eine Ahnung heran dämmerte, dass es neben Gut und Böse auch noch etwas anderes geben müsse.

... bis ich begriff, dass die Gegensätze nicht nur vorhanden sind, sondern zwischen sich ein breites Spektrum von Ähnlichkeiten bergen.

Schwarz – Weiß – Grau?

Ich lernte mit dieser Erkenntnis umzugehen und ich konnte sie bald überall anwenden.

Gut – Böse – Unstet!

Tapfer – Feige – Unentschlossen!

... bis ich begriff, dass zwischen Schwarz und Weiß nicht wirklich nur Grau liegt, sondern Grau in all seinen Schattierungen und Abstufungen von fast Reinweiß bis fast Pechschwarz (wie man so sagt!) – beeinflusst durch die Stärke des jeweiligen Extrems. Diese Beeinflussung aber liegt nicht in der Menge weißer Farbe, die mit einer anderen Menge schwarzer Farbe auf der Malerpalette gemischt wird ... es ist der Maler selbst, der diese Beeinflussung vornimmt! Und damit herrscht er über das Verhältnis, in dem Weiß und Schwarz zueinander stehen.

Damit hatte ich mir selbst -unabhängig und unbeeinflusst von großen Denkern der Vergangenheit- erarbeitet, was mein Verständnis bis heute prägt.

Gott - Satan - Schicksal!

Materie - Antimaterie - Zustand!

Plus - Minus - Ergebnis!

Zwei gegensätzlich wirkende Kräfte und das Verhältnis, in dem sie zueinander stehen und wirken, sich gegenseitig bestimmen - das schien mir von Anfang an gefehlt zu haben.

Zwangsläufig muss man althergebrachte Werte unter Umständen sogar lockern oder auch völlig aufheben; die sogenannte Dreieinigkeit musste komprimiert und wieder auseinandergezogen werden; nur so ließ sich eine 'Dreifaltigkeit' akzeptieren und nachvollziehen.

Pole sind wichtig, aber man kann es sich sparen, sie immer wieder aufs Neue festzulegen.

Gott und Satan - Gut und Böse - Ja und Nein - Reich und Arm - Hell und Dunkel, Null und Eins ... was für das digital-binäre Denkschema unzweifelhaft eine Notwendigkeit zu sein scheint, kann im Kosmos der umfassenden Gedanken, Ahnungen und Einsichten über Existenzen und Zeiten, Zustände und Unerklärbarkeiten einfach nicht ausreichend sein. (Bedenke man nur, welche ungeahnten, ja erschreckenden Möglichkeiten sich ergäben, würde man die computerisierten Rechenwege sämtlicher Werte um den Bezug zwischen '0' und '1' erweitern können – mit einem notwendigerweise nicht nur relativen, angenommenen dritten Rechenfaktor! Eine Revolution unvorstellbaren Ausmaßes wäre wohl die Folge – nicht auszudenken, welchen Sprung unser Denken machen, wie unser Verständnis wachsen und sich die Möglichkeiten, universal zu begreifen, vervielfältigen würden, gäbe es einen erweiterten Rechenweg binärer Denkweise: 0 - 1- X)

Dialektik

Die klar definierten Gegensätze haben mich schon immer angezogen, aber sie konnten mir nicht genug sein, denn selbst der tristeste Alltag besteht nicht nur aus Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Der unkomplizierteste Tagesablauf wäre unerträglich ohne die eine Komponente, die -zumindest heute- nicht in Werten auszudrücken und in Schemata zu pressen ist: die physischen sowie auch die psychischen Umgebungsvariablen des Betroffenen – angefangen mit seiner eigenen Stimmungslage bis hin zu seinem sozialen Umfeld.

Indem ich

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