Das gute Buch

von Alf Glocker
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„Ich bin schwer im Druck“, sagte das Buch, worauf es sich in der Weite eines unübersichtlichen Marktes verlor, um den Schrott anzubeten. „Sei mir gestapelt, oh Herr des Unsinns, dein Un-Rat geschehe, im Himmel der eingebildeten Seligkeit, vor allem aber auch auf Erden, wo kaum etwas geschieht, das der Erbauung weniger dient, als dieser künstliche Anspruch!“

„Aber wir befriedigen doch alles was kreucht und fleucht“, sagte da eine hämische Stimme aus dem Hinterhalt, mitten in die Marktforschung hinein, die, erfüllt von ehrlicher Überzeugung versuchte, sich dem stetig sinkenden IQ anzupassen.

„Wie vielseitig bin ich eigentlich?“, fragte das Buch – leider nicht! Es hatte ebenso wenig Talent in sich zu blättern, wie der Herbst, der seinen Abfall einfach der Verrottung überantwortete. In diesem Sinne hatte es also 7 Siegel! Die Natur würde dann schon alles zusammen einstampfen?

Manchmal wünschte sich das Buch auch seine Verbrennung, aber dafür stand einfach zu wenig darin! Gewiss, es war voller Buchstaben, diesen geheimnisvollen Zeichen also, die gewöhnlich die Aufgabe hatten, durch ihre Verkettung, Botschaften in die Köpfe von Lesern zu transportieren.

Doch diese gebildeten Ketten hatten kein Gewicht! Sie waren leicht wie die Luft und taugten weder dazu, Angst zu erzeugen, noch Spannung, noch Lust. Selbst zur Unterhaltung einfachster Geister konnten sie kaum etwas beitragen!

Und dann diese Eselsohren…immer wieder Eselsohren! Sobald einer der vielen freilaufenden Esel in dem Buch stöberte, hinterließ er – ganz im Gegensatz zu dem Buch – Spuren. In den Eseln jedoch verblieb nichts!

„So bin ich“, sinnierte das Buch, „ein Leer- und Lehrbuch allen Weisen, die wohl aus einem Inhalt lernen der nur Mist, und Beispiel auch, für diesen Vorwurf, ja, den leisen, der kundtut, was mit mir und meinesgleichen ist: ein Irrtum sind wir, im Kulturbetrieb, ein Abbild nur für Eitelkeiten! Und unser Inhalt, den Verlagen wert und lieb, gibt nicht mal Anlass, über ihn zu streiten“.

So sprach’s – „Doch and’rerseits bin ich auch selbstverständlich gut, es liegt mir ferne, jemand zu verletzen. Ich sage nämlich nichts und auch nichts aus! Ich bin im Grunde ganz neutral – an mir lässt sich nun mal nichts festmachen. Eine Aussage habe ich nicht, ich diene deshalb vielleicht noch der Zerstreuung?“

Doch damit nicht genug. „Leider findet sogar die Zerstreuung gar nicht erst statt, weil mich in Wirklichkeit niemand beachtet, geschweige denn ernst nimmt. Das Beste an mir ist: ich kann demzufolge nicht viel – lässt man einmal außer Acht, daß wer mich liest, ein wenig flachschädeliger denkt als vorher – anrichten“.

Der letzte Schluss: „Ergo bin ich gut! Ich bin ein gutes Buch, für jeden bin ich benutzbar, ohne dabei weitreichende Folgen zu hinterlassen. Das entspricht voll der modernen Wischi- waschi-Ideologie, was wiederum die Herrschenden nicht in Verlegenheit oder gar in die Bredouille bringt. Ich bin ein Sklave des Missbrauchs der Seelen! Ist das nicht Grund genug, mich zu erwerben?“

Gute Reise, Buch!

©Alf Glocker

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Kommentare

05. Dez 2014

Ja, gute Bücher muss man lieben -
sonst ist man zurückgeblieben!

LG Alf