Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 253. Schritt

Bild von Alf Glocker
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Nach all den Verwirrungen, innerhalb logisch fundierter Irrgärten, die sich weder zum adligen Verlustierungsspiel, noch für wissenschaftliche Fachsimpel-Orgien eignen, muss es uns erlaubt sein zu träumen! Träumen wir einfach wie niemand träumt – wie einer, der keine Anerkennung finden würde, selbst wenn seine Träume sich verwahrheiteten, Gestalt gewännen, in Form chimärenhafter Märchengestalten und „sehen“ wir…

Niemand wuchs inmitten einer Ansammlung interessanter Menschen heran, die samt und sonders beleidigt waren, weil sie ihm etwas beibringen wollten, das sie selbst nicht verstanden. Er dagegen präsentierte ihnen laufend andere Sichtweisen, mit denen sie weniger als nichts anfangen konnten. Niemand und die anderen waren einfach zu verschieden und deshalb ging alles gehörig schief!

Immer wenn sie ihm eine Weisheit zum Fraße vorwarfen reagierte er mehr als erstaunt. Was sollte er sagen? Ihm fiel nur ein: „Frage mich einen Allgemeinplatz und ich rate dir wer ich bin!“ Aber seine Wortspiele lagen den Verwandten Fremden um ihn herum wenig, so daß Niemand eher eine auf’s Maul, als eins ins den Beutel bekam. So sind eben ehrliche Menschen.

Niemand bedachte den Begriff „Ehrlicher Mensch“ und kam zu dem Schluss, daß dies etwas sein müsse, was innerhalb einer Glaubensgemeinschaft parierte. Eine schreckliche Einsicht, denn niemand wollte Gesetze übertreten, wenn es ihm angebracht erschien. Er wollte auch nur leben. Aber das war nicht ganz einfach, wenn einen niemand Verstand.

So machte sich Niemand auf den Weg ins Niemandsland, wo er alsbald verschollen blieb. Manche behaupteten zwar noch, ihn gesehen zu haben, auf der Einkaufsliste, oder wenn ein Verbrechen geschah, zum Beispiel der Trunksuchtsanfall einer Jungfrau, oder ein Schachspiel mit falschem Ausgang, aber wirklich registriert hatte ihn keiner.

Keiner forschte lieber nach, wo man Niemandes habhaft werden konnte, wie es irgendwem gelänge, zu beweisen, daß niemand sich im Irrtum, gegenüber dem Guten befand und man ihn so zur Umkehr bewegen könne, als verlorener Sohn, zum Gottglauben sinnloser Arbeitsverhältnisse. Doch Niemand blieb uneinsichtig. Er hoffte auf die Verdeutlichung seines Irrtums, durch ein körperliches Erscheinen seinerseits, im Kreis anerkennender Vernunftwesen aus Fantasia.

Fantasia, das lag weit über dem Weltmeer des Fleisches, verborgen in vielzelligen Geheimnissen, die nicht ohne Weiteres aufgeschlüsselt werden durften, denn dies käme einem Sakrileg gegen die Mächte der Umnachtung gleich, die keine ist, keine zu sein hat, wenn niemand sich wider sie auflehnt. So verging die Zeit wie ein Krug zum Brunnen geht, um sich eines Tages zu erbrechen.

„Komm“ riefen die sirenischen Stimmen aus der Versuchung des Seinswollenden, auf das Schiffchen des Entdeckers immer weiterer Niemandsländer hinauf, aber Niemand blähte nur seine Segel. Die Sternenrouten lagen noch vor ihm. Er konnte sie sehen, hören, spüren und seelenerahnen. Niemand half ihm dabei – fast niemand. Denn niemand war schließlich zu sehen, außer von Niemand natürlich. Niemand sah alles! Alles ein, alles voraus und allem hinterher, denn niemand ist Niemand und niemand wird je bei ihm sein!

Aquarell
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