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Der Franziskaner (Feuermond)

Bild von Anita Zöhrer
Bibliothek

Woher er auf einmal gekommen war, ich konnte es mir nicht erklären. Auch nicht, wie er sich so unbemerkt an mich heranschleichen hatten können. Nichtsdestotrotz stand er jetzt vor mir und wollte wissen, was ich hier in seinem Zimmer verloren hätte.

Allmählich meinen Verstand erwiderte ich und musterte ihn von oben bis unten. Er trug eine braune Kutte, gut, aber mir konnte er trotzdem nichts vormachen. Ein jeder Trottel konnte sich als Franziskaner verkleiden, aber den Eindruck eines Geistes erweckte er nun wirklich nicht.

Demonstrativ zog ich meine Jacke aus und warf sie auf das Bett. Ich dachte nicht daran, mich nach einem anderen Ort zum Schlafen umzusehen, nur, weil der Fremde es von mir verlangte. Die Flamme der Kerze erlosch, von einem Moment auf den nächsten stand ich im Dunkeln. Ehe ich wusste, wie mir geschah, fand ich mich auch schon am Flur wieder. Träumte ich etwa? Meine Jacke hielt ich in meiner Hand, wie war das bloß möglich?

Die Spuren der Verlassenheit verschwanden um mich herum, kein Körnchen Schmutz blieb zurück. Als ob ich in eine frühere Zeit zurückversetzt werden würde, kam es mir vor. Risse in den Wänden verschlossen, vor meinen Augen schienen unsichtbare Hände die Ruine zu renovieren.

Wie benommen wandelte ich durch das Kloster in Richtung Ausgang. Irgendetwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu, mehr und mehr zweifelte ich daran, dass meine Freundin ihre Finger im Spiel hatte.

Ich verließ das Gebäude. Wette hin oder her, es war mir hier nicht geheuer. Nur noch fort von hier wollte ich, doch es wurde immer skurriler. Wo vor noch nicht einmal einer Stunde ein paar Überreste eine Mauer angedeutet hatten, erhob sich nun eine mächtige Wand. Ich rüttelte an dem Holztor, dem einzigen Weg hinaus in die sichere Freiheit, doch es war versperrt.

Er solle mir gefälligst öffnen, schimpfte ich mit dem Franziskaner, der sich zu mir gesellte. Keinesfalls wollte ich mit diesem Idioten die Nacht in dem Kloster verbringen. Mich gehen zu lassen, läge nicht in seiner Macht, behauptete er allen Ernstes, selbst wenn er es nur zu gerne getan hätte. Ich begann mit meinen Fäusten auf ihn einzuschlagen. Was fiel dem Kerl ein, mich hier gefangen zu halten?