Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 14

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und der Fahrradanhänger hätte sich beinahe von der Kehrmaschine abgelöst. Für solche Notsituationen entstand damals auch die Idee, die Befestigung an der Kehrmaschine anständig und fest anzuschweißen. Heiß und brennend ist die Zigarette, die durch das Ausweichen ein paar Haare zum Brennen bringt. Nicht in Flammen gehen die Haare auf, sondern verglühen unwissend und unsehbar. Nur den Geruch der verbrannten Haare kann Tim berückend wahrnehmen und aus dieser Befürchtung und Angst tritt er kräftig auf das Bremspedal … Die glühende Zigarette ist ihm unabsichtlich aus der Hand gefallen und versehentlich hat er sich dabei die Haare verbrannt. Nicht viele Haare haben das Feuer gesehen und gespürt, sondern nur leicht die Zigarette sehnsüchtig berührt. Wie rührend sieht er diesen Augenblick und die Gegebenheit und stellt dabei eilfertig fest, dass er zum Friseur gehen muss … Auch muss er künftig das Feuer, die Flammen und das Rauchen an der Kehrmaschine vermeiden, weil er die Kehrmaschine demnächst mit Raketentreibstoff betanken möchte. Die nächste Kippe muss bedenkenlos her. Auch die Musik muss die Rückfahrt begleiten und ein Gefühl der Gleichgültigkeit erzeugen. Viele Zeugen und Augen sehen die Kehrmaschine und darauf Tim Käufer sitzend. Suchend nach der Zigarette und einem neuen Song wirkt er erfinderisch und flexibel. Die ergötzliche Zigarette zündet er an und an der Kehrmaschine sucht er nach dem passendem Song. Davor hörte er und fast die halbe Stadt das Lied namens „Fahrerflucht“ und der Künstler Alligatoah hat damals für hochmütige Stimmung gesorgt. Ohne Besorgnis möchte er sich erneut überraschen lassen, ob sich noch mehr Lieder mit Alligatoah verknüpfen lassen. Ein alter MP3-Player mit Boxen lässt einen Song namens „Fick ihn doch“ abspielen. Wieder ist der Alligatoah ein musikalischer Entertainer und das Lied spricht einfach für sich. Sich Umdrehen und Erschrecken tun die Menschen und fragen sich bedauerlich, ob Tim Käufer unterdessen etwas bedauert … Unter Zeitdruck steht Tim, denn die Arbeit im Parkhaus hat noch gar nicht begonnen. Nur als Aufwärmübung kann man die Tankstellen-Fahrt bezeichnen, obwohl er für diese Arbeits-Stunde bezahlt wird. Fraglich bleibt die Tatsache, wie lange er schon gefahren ist … Bekanntlich vergeht die Zeit schneller, wenn man sich amüsiert.
Die Kehrmaschinen-Besatzung ist vollständig! Zwei Benzinkanister und eine Saftflasche sind für den Express-Transport mehr als bereit. Vor Freude und Schwärmerei ist die Kehrmaschinen-Besatzung sehr laut und entzückt. Die Begeisterung lassen die Passagiere sehr leidenschaftlich aus und singen rätselhaft mit dem Alligatoah mit. Mit denen kann Tim nicht mithalten und mitsingen, denn der Song hält ihn in puncto „Wissen" raus. Obwohl der Song in seinem Besitz ist, bleibt ihm unbekannt, woher er das Lied hat. Hinreißend ist diese Rückfahrt-Reise, die sich als sehr großzügig ergeben hat! Das Kleingeld in der Kehrmaschine kann es bezeugen und durch den Rahmen-Schlitz an der Verkleidung kann man erstaunlich und ungewöhnlich erkennen, dass sich dort tatsächlich Geld befindet. Nebensächlich ist die Geldsumme, denn das Geld ist die Währung und jeder Cent ist von Bedeutung. Vor der Straße ist ein Fußgängerweg, den er nicht befahren möchte. Die Straße muss die Kehrmaschine dahin führen, wo sich das Parkhaus befindet und der Gehweg führt auf eine andere Reise. Eine gefährliche Reise, die er bewusst und entschlossen nicht erleben möchte. Sehr bodenständig muss jede Kehrmaschinen-Fahrt sein, damit diese Leidenschaft und Hingabe nicht verloren geht. Auch kann sich die Rechtschaffenheit der Polizei überall befinden und zurzeit sind die Ordnungshüter auf einer Verfolgungsjagd. Gesucht wird ein Mann, der keine Zunge hat, und somit kann eigentlich jeder ein Verdächtiger sein. Solange man schweigt, kann jeder Mann ein Gesuchter der Polizei werden. Diese Überlegungen sind bemerkenswert … Damit er nicht verdächtigt wirkt, muss er beim Fahren den Leuten zeigen, dass er eine Zunge hat. Der Song läuft nachdrücklich weiter und die Fahrt hat gerade erst begonnen. Auswendig lernen muss er den Song-Text nicht und was er gehört hat, kann er ohne Schwierigkeiten nachsingen. Auf Anfang wird der Song zurückgespult und zum Glück hat er eine Zunge. Gesangstalent kann man da erkennen, wo man etwas Verständliches und ein wenig Künstlerisches hört. Hören kann man nur das Geschwafel … Ein vergleichbares und gleichartiges Geräusch macht ein Fisch unter Wasser, wenn er Gefahr sieht. Es spielt hier keine Rolle, was man als Kunst oder Missgunst bezeichnet, solange man Tim beim Beichten und Ausplaudern sieht, erkennt man Selbstvertrauen, Irrsinn und kleine Geistesschwäche … schwach und kraftlos fühlt sich die Kehrmaschine, weil die Kehrmaschinen-Besatzung sehr schwergewichtig geworden ist. Schwer war damals die Regionalmeisterschaft für Parkhaus-Wettrennen nicht und ohne Selbstvertrauen, Mut und Selbstwertgefühl hätte er die Meisterschaft nicht gewonnen. Der Teufel ist ein Künstler, der jede Kunst bis auf die Spitze falten kann, er kann jedem Künstler mühelos das Wasser reichen. Wenn der Teufel an der Regionalmeisterschaft für Parkhaus-Wettrennen teilgenommen hätte, würde er nur den zweiten Platz belegen. Auch wenn die Kehrmaschine aufgemotzt und frisiert wurde, war der Sieg für Tim vorauszusehen, denn die Fahr-Kunst lernte Tim da, wo der Teufel geboren und ausgebildet wurde: Tiefgarage. Vor der Straßenkreuzung steht der Autoblitzer, der für ein zweites Foto sehr einladend aussieht. Kostspielig werden die Fotos produziert und an den Kunden verschickt. Heute wurde er schon geblitzt und für die Sicherheit und Hinterlassenschaft muss ein neues Foto und ein Geschwindigkeit-Beweis her. Sich selbst unter Beweis zu stellen, muss er nicht, sondern nur kräftig auf das Gaspedal treten und aufrecht hoffen, dass die Kehrmaschinen-Besatzung nicht den Notausstieg benutzt. Für das Fotoshooting ist er eigenwillig bereit! Die Zigarette ist im Mund und ein Lächeln zaubert eine Gewissheit, ob diese Momentaufnahme sein Gesicht zur Vorschau bringt? Später wird er erfahren, wie schnell die Kehrmaschine mit der Besatzung fahren kann und wie er auf dem Foto aussieht … Das Foto ist im Kasten und der Blitz blendet einen beinahe! Das Parkhaus und zugleich sein Arbeitsplatz ist schon in der Nähe und der Arbeitstag kann letztendlich beginnen.
Noch die letzten paar hundert Meter und Tim kann sich im Parkhaus vor der Welt verstecken. Die Strecke ist ihm vertraut und für diesen Weg wird der Treibstoff sicherlich ausreichen. Aus den letzten Benzin-Tröpfchen, die noch im Tankbehälter verweilen, holt Tim den letzten Schwung und befährt die Parkhaus-Straße. Viele Rauchringe kann

Lektor: Axel C. Englert

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