Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 10

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die Langeweile verloren geht. Eine neue Zigarette muss schnell her, denn ein Kettenraucher muss eine bessere Luft bekommen. Nur noch die Pilotenbrille fehlt, damit die unbedeutende Angeberei mit glühendem Verlangen verschönert wird.
»Vielleicht besuche ich mit der Kehrmaschine auch noch die Flohmarkt …«
Dachte Tim Käufer laut nach … Nach dem fünften Zigarettenzug muss er den Flohmarkt-Besuch eigenwillig und endgültig vergessen. Bekanntlich geht bald der Treibstoff aus und der Flohmarkt ist weit entfernt … Zwei Fliegen auf einen Schlag erledigen, das kann man wohl heute nicht. Wohl und gleichzeitig beklommen fühlt er sich, als er die Tankstelle endlich sieht. Sich wohlfühlen kann er, weil die Tankstelle „Treibstoff-Brunnen“ heißt; die unermüdliche Beklommenheit erfährt er, als er die Polizei an einer Tanksäule sieht. Sehen kann man, wie die Beamten ihre Kutsche mit Benzin betanken. Bekanntlich ist die Tatsache, dass das Warten sich nur dann lohnt, wenn man in der Kundenschlange im Apple Store ansteht. Wie ungeduldig Tim beim Warten aussieht: Mit einem Zug an der Zigarette verglüht schon fast die halbe Kippe und das Warten lohnt sich nicht. Nicht dahinfahren möchte er und beim Fahren erwischt zu werden, dies muss heute ausgeschlossen sein. Weggeworfen wird der Zigarettenfilter, der keinerlei Tabak enthält. Seine Kehrmaschine lässt er langsam über die Ampel rollen. Unterdessen schaltet er die anarchistische Musik komplett aus, und aus Besorgnis und Befürchtung möchte er die Kehrmaschine irgendwo abstellen. Irgendwo, wo nicht viele Augen dieses Gefährt und Fortbewegungsmittel sehen könnten. Es könnten sein, dass die Kehrmaschine gestohlen oder auch abgeschleppt wird. Einen Plan B kann es wahrlich nicht geben und sollte jemand versuchen, die Kehrmaschine zu stehlen, wird derjenige die Maschine nicht zum Laufen bringen … Sollte die Kehrmaschine abgeschleppt werden, wird der Abschlepper gewisse Schwierigkeiten beim Hochheben der Maschine haben! Somit kann die Kehrmaschine gewissermaßen überall ordnungsgemäß stehen. Die nächsten paar Meter möchte Tim ohne Skrupel zu Fuß latschen. Ohne Rücksichtnahme und Toleranz lässt Tim die Kehrmaschine mitten auf dem Fuß- und Radweg stehen. Ausgemacht wird die Musik und die Maschine mit einem Kurzschluss der Kabel und dabei wird mühelos eine Zigarette angesteckt. Diese Arbeitsmühe ist wahnsinnig und zugleich bemerkenswert! Alles, was man für sich tut, kommt aus der Arbeit und für die Arbeit, die man sich versehentlich ausgesucht hat. Aufmerksamkeit braucht jeder Arbeiter, der alles für seinen Job gibt. Viel Kraftaufwand und körperliche Anstrengung braucht Tim, damit er den Fahrradanhänger von der Kehrmaschine abbekommt … Beim Ziehen am Anhänger fällt ihm versehentlich die Zigarette aus dem Mund und glücklicherweise verfehlt die Kippe all die Benzinflecken, die der Anhänger hat. Seinen MP3-Player mit Boxen muss er mitnehmen und sorgfältig mitschleppen. Mitgenommen hat er den Fahrradanhänger, in dem die beiden Benzinkanister nebeneinanderliegen. Neben der Tankstelle stellt er die Kehrmaschine ab, damit die Ordnungshüter nicht paranoid werden. Vom weitem kann man die Kehrmaschine nicht erblicken und sich glücklicherweise nicht einfach so damit aus dem Staub machen. Damit die Ordnungshüter Tim nicht zu Gesicht bekommen, macht er einen großen Bogen um die Tankstelle und denkt sich während dieser Zeit, wie unauffällig und auffallend er beim Gehen wirkt. Man sieht es, dass der Arbeits-Pullover mit Benzinflecken beschmutzt ist und die Sicherheitsschuhe sind mit Rissen versehen … Die Jeans wurden vor über hundert Jahren für die Bergleute erfunden und diese Jeans sehen genau so aus, als wären es die ersten, die überhaupt getragen worden. Nur die Zigarette im Mund verrät, dass er etwas Schlimmes, Schwachsinniges und Dummes macht: Er geht mit der Kippe im Mund auf die Tankstelle namens „Treibstoff-Brunnen“ zu. Vergesslichkeit ist ein Wort, welches er jedesmal vergisst und das Rauchen ist eine Gewohnheit, die er nicht vergessen und abstreiten kann.
Nichtsdestotrotz und ungeachtet betritt er verachtenswert das Tankstellengelände. Egoistisch und selbstsüchtig möchte er nicht rüberkommen. Eher ist es die Rauch-Sucht, die unverzüglichen Ärger verursacht und mit Tim rätselhaft überall hinkommt. Haften bei unvorhersehbaren Arbeitsunfällen muss ständig der Verursacher, der gleichermaßen die Schwachstellen und Kritikpunkte mit dem Unfall bekanntgibt. In der rechten Hand schiebt er den Fahrradanhänger, wo die Benzinkanister diszipliniert einen Klang erzeugen und mit der linken Hand dirigiert er mit der Kippe. Ein musikalisches und alltägliches Werk verströmt über die Tankstelle. Über der Bordsteinkante bleibt der Fahrradanhänger hängen und der Zusammenstoß erzeugt ein donnerndes Getöse. Ein Krach, der für die Wachsamkeit und Spannkraft sorgt … Mit Kraft schafft er es, den Anhänger über die Bordsteinkante zu bringen und schafft es noch dabei, das Rauchen zu bewältigen. Ohne Hintergedanken geht er auf die Tankstelle zu und nur noch ein paar Meter, dann könnte es hier noch lauter krachen.
»Das ist irre … Machen Sie die Zigarette aus, Herr Käufer!«
Schrie befremdlich ein Ordnungshüter. Ein wildfremder und unbekannter Mensch ist der Gesetzeshüter anscheinend nicht. Nicht ohne Grund kennt der Freund und Helfer den Namen von Tim. Dennoch hat Tim sich diese Freundschaft nicht ausgesucht, sondern sich durch die ersprießlichen Taten solches Ansehen verdient. Über einen Bund und eine Kameradschaft kann man hier bescheiden sprechen, obwohl, wer eine Berühmtheit und Ruhm bei der Polizei genießt, muss gewisse kriminelle Energie aufbringen. Verständnis kann Tim eilfertig für die Bemerkung aufbringen, sie lässt ihn die Kippe mit dem Fuß zerdrücken. Währenddessen denkt er nach, wie viele Züge er an der Kippe hätte machen können …
»Rauchen können Sie sehr fleißig, Herr Käufer! – Überall, wo ich Sie sehe, laufen Sie mit der Kippe im Mund rum.«
Mit einem Lächeln im Gesicht sprach der Ordnungshüter diese liebreizende Ansprache. Sprechen muss nun Tim Käufer auch.
»Das Rauchen ist für mich eine Gepflogenheit, die ich mir nicht willentlich abgewöhnen kann. Auch ist das Rauchen eine kostspielige Sache und dank der Arbeit kann ich mir diesen Luxus auch gönnen.«
Schüchternheit bringt wohl Vorteile für Tim, wenn er über Maßlosigkeit und Verschleuderung spricht.
»Hahahah! – ohne Arbeit wären Sie somit kein Kettenraucher … Wie ich hörte, sagten Sie: Arbeit. Kann es sein, dass Sie schon wieder mit der Kehrmaschine die Tankstelle besuchen? – Oder fahren Sie damit wieder nach Hause?«
Diese Fragerei ähnelt sehr einer Polizeivernehmung, die der Beamte unbewusst ansetzte.
»Nein, aus Fehlern lernt man … Heute mache ich die Arbeits-Wanderung

Lektor: Axel C. Englert

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